Einzigartige Wertschöpfungskette

Vom Schmelzbetrieb zur Formel 1


Isabellenhütte Heusler hat eine einzigartige Fertigungstiefe

Dillenburg. Vermummte Männer in Schutzanzügen, offenes Feuer, glühendes Metall: Wenn im Schmelzbetrieb der Isabellenhütte Heusler bei mehr als 1.200 Grad Celsius Kupfer und andere Metalle legiert werden, kann man sich kaum vorstellen, dass da gerade Hightech-Werkstoffe für hochsensible Messtechnik entstehen.

Doch genau das – Material für elektrische Widerstände – ist eine Spezialität von Hessens ältestem Industrie-Betrieb in Dillenburg (Lahn-Dill-Kreis). Schon 1482, also vor der Entdeckung Amerikas, ist die Hütte erstmals urkundlich erwähnt worden!

Bauteile stecken in praktisch jedem Auto

Eine zweite Besonderheit: Von der Gießerei über das Walzwerk und die Drahtzieherei bis zur kompletten Bauelemente- und Messmodul-Produktion sind hier alle Fertigungsschritte unter einem Dach zu finden. „Wir haben eine vermutlich weltweit einzigartige Wertschöpfungskette“, betont Jürgen Brust, Sprecher der Geschäftsführung.

Bauteile und Messelemente aus Dillenburg werden in der Elektronik-Industrie und in Elektrofahrzeugen gebraucht, aber auch in der Solar- und Windkraft-Industrie und anderen Branchen. Im normalen Auto finden sich Produkte aus der Isabellenhütte etwa bei Zündung, Lichtanlagen und Fensterhebern – aber auch in komplexeren Systemen wie der Motorsteuerung. „In jedem Auto, das in Europa fährt, sind Bauteile von uns“, freut sich Dr. Felix Heusler, der das Unternehmen gemeinsam mit Brust führt.

Zuletzt ist der Betrieb kontinuierlich gewachsen: Der Umsatz liegt nun bei rund 100 Millionen Euro, die Exportquote bei über 50 Prozent. In den letzten fünf Jahren stieg denn auch die Zahl der Arbeitsplätze von 500 auf heute 750. Tendenz: weiter steigend.

„Unser Bereich Messtechnik wächst extrem – wir suchen daher ständig Mitarbeiter, die sich mit elektronischen Baugruppen auskennen“, sagt Thilon Müller, Teamleiter in der Messtechnik-Fertigung. Zu seinem Team gehört seit kurzem Luisa Kühn. Für die 28-Jährige ist zum Beispiel die Kontrolle von Platinen kein Problem, da sie schon länger in der Branche arbeitet und die notwendigen Schulungen nachweisen kann.

Aus der Zeitarbeit zum festen Job

Jochen Späth (50) holt diese Schulungen gerade nach. Er wurde kürzlich, nach einem Jahr als Zeitarbeiter, fest eingestellt. „Ich war richtig froh, dass es hier geklappt hat“, sagt er. Und sein fester Job dürfte sicher sein: Die Isabellenhütte arbeitet weiter an der Technologie-Führerschaft.

Die neueste Entwicklung ist ein niederohmiger Widerstand („Shunt“), der Ströme bis zu 30.000 Ampere messen kann – Rekord. Solche Shunts werden unter anderem in Umspann-Werken gebraucht. Nächstes Ziel sei die 100.000-Ampere-Marke, wie der Sprecher der Geschäftsführung, Brust, sagt: „Wir setzen eben Maßstäbe bei der Messung von Strom, Spannung und Temperatur.“

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