Menschen

Vom Lechrain ins Reich der Mitte


Deutsch-chinesischer Dialog: Jin Hong Li und Johann Niemitz testen die Qualität. Fotos: Puchner, Archiv

Jin Hong Li kehrt nach 23 Jahren in Deutschland zurück in seine Heimat China

Denklingen. Ruhig und weit abgelegen vom Lärm der großen Städte: Hier im Lechrain zwischen Augsburg und den bayerischen Alpen geht es gemütlich zu. Damit ist es für den Chinesen Jin Hong Li bald vorbei: „Die schöne Landschaft wird mir am meisten fehlen“, sagt er.

Im Januar 2009 kehrt der Maschinenbau-Ingenieur aus Denk­lingen in die Heimat zurück – für seinen Arbeitgeber Hirschvogel, der als Spezia­lis­t für Umform- und Zerspantechnik die Auto-Indus­trie beliefert. In Pinghu, einer 600.000-Einwohner-Stadt unweit von Schanghai, wird Li als Geschäftsführer die Leitung der chinesischen Tochter übernehmen.

Maßstäbe setzen in Sachen Präzision

„Wir fertigen in Pinghu einen Großteil der Hirschvogel-Produkte, zum Beispiel Injektorkörper für die Dieseleinspritzung oder Getriebewellen“, erklärt er in fehlerfreiem Deutsch und rückt die zierliche Brille zurecht.

Zwar wird auch in China überwiegend für dort ansässige deutsche Kunden wie BMW oder VW produziert. Aber Li hofft, auch viele chinesische Abnehmer zu gewinnen. „Noch ist für die der Preis entscheidend. Wir wollen zeigen, dass es sich lohnt, in Qualität zu investieren“, erklärt er mit leuchtenden Augen.

In der Fertigung will er in Sachen Präzision Maßstäbe setzen – nach deutschem Vorbild: „Das beginnt damit, eine Kiste mit Bauteilen sauber zu kennzeichnen.“ Wenn er von seinen Plänen spricht, wird deutlich: Die Freude auf die neue Aufgabe und die Rückkehr in die Heimat überwiegen den Abschiedsschmerz.

23 Jahre, die Hälfte seiner bisherigen Lebenszeit, hat Li in Deutschland verbracht: 1985 begann er in Aachen das Studium der Produktionstechnik. „Promovieren wollte ich auf jeden Fall“, erinnert sich Li an seine Ziele  – mittlerweile steht auf seiner Visitenkarte der Doktortitel. Außerdem hat er einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht und sich Fachwissen im Präzisionsschmieden angeeignet. Als er erfuhr, dass Hirschvogel in China ein Tochter-Unternehmen gründet, be­warb er sich. Mit Erfolg: „Herr Li ist mit seiner exzellenten technischen Ausbildung und der interkulturellen Erfahrung wie geschaffen für die Leitung in Pinghu“, begründet der Geschäftsführer Manfred Hirschvogel seine Entscheidung.

Improvisieren muss man können

Seit eineinhalb Jahren bereitet sich Li auf seine neue Aufgabe vor: an den bayerischen Produktionsstandorten, Denklingen und Schongau – und in Pinghu.

Dazu gehört auch, Unvorhergesehenes zu meis­tern. Li: „Dass in Pinghu für mehrere Tage der Strom ausfällt, kommt vor. Dann müssen wir auch mal das Wochenende durcharbeiten, um den Rückstand aufzuholen.“ Für Li ist das eine He­rausforderung: „Ich möchte in Pinghu wirklich etwas erreichen und das Unternehmen zum Erfolg führen.“

Christine Arnold

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