Zweite Chance im Beruf

Vom Kassierer zur Fachkraft: Bei der Umschulung hilft das Projekt „power 25+(me)“

André Zaniuk wird vom Bildbearbeitungsspezialisten Framos zum Fachmann für Bürokommunikation ausgebildet. Die Metall- und Elektroarbeitgeber und die Bundesagentur für Arbeit unterstützen ihn beim Neustart mit Anfang 30.

Cooles Produkt: Mit Spezialkameras hat Zaniuk oft zu tun. Foto: Bodmer

Cooles Produkt: Mit Spezialkameras hat Zaniuk oft zu tun. Foto: Bodmer

Aufmerksam: André Zaniuk mit einer Kollegin am Arbeitsplatz im Büro. Foto: Bodmer

Aufmerksam: André Zaniuk mit einer Kollegin am Arbeitsplatz im Büro. Foto: Bodmer

Taufkirchen. Erst machte er eine Lehre an der Tankstelle. Dann bekam André Zaniuk einen Job im Supermarkt. Dort arbeitete er sich hoch, übernahm zeitweise die Position des stellvertretenden Filialleiters, war für Bestellungen und Inventur verantwortlich. „Ich hätte gut da bleiben können“, berichtet der junge Mann. Zehn Jahre lang war er im Einzelhandel tätig. Doch auf Dauer sagten ihm die Arbeitbedingungen dort nicht zu. „Ich wollte nicht mein ganzes Leben im Discounter verbringen.“

Zaniuk setzte alles auf eine Karte, kehrte seinem Heimatort Biberach in Baden-Württemberg den Rücken und zog in die Nähe von München, wo er im September 2015 eine Umschulung in einem Ausbildungsberuf begann – in dem für so etwas ungewöhnlichen Alter von 30 Jahren.

Gute Begleitung mit Förderunterricht

Diesmal wählte er einen bayerischen Metall- und Elektro-Betrieb: Den Bildverarbeitungsspezialisten Framos in Taufkirchen bei München. Der bildet ihn nun zum Kaufmann für Büromanagement aus. Der Neustart gelang ihm dank „power 25+(me)“. Das Projekt verhilft Leuten zwischen 25 und 35, die noch keinen rechten Einstieg in den Beruf gefunden haben, zu einem Abschluss als Fachkraft.

Projektträger sind die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände bayme und vbm sowie die Bundesagentur für Arbeit. Die Verbände fördern das Projekt, das auf den Zeitraum 2015 bis 2018 angelegt ist, mit rund 900.000 Euro. Die Teilnehmer werden während der gesamten Lehrzeit bis in die Festanstellung begleitet, etwa mit Coaching und Förderunterricht. Bereits 54 junge Leute haben die Chance ergriffen: 42 haben eine Umschulung und 12 eine duale Ausbildung in Berufsschule und Betrieb begonnen, wie Zaniuk.

„Toll, dass es so was gibt“, sagt er. Dass er der Älteste in seiner Klasse ist, stört ihn keineswegs. Oft fragen ihn die Jüngeren um Rat. Denn er kann ja gut nachfühlen, wie es ihnen geht: „Mit 16 hatte ich keinen Plan – und hab das alles nicht so ernst genommen“, meint er rückblickend. „Jetzt lerne ich, weil ich es will.“ Der Einsatz von power 25+(me) lohnt sich für beide Seiten. Die Teilnehmer besitzen am Ende einen anerkannten Berufsabschluss – die Firmen sichern sich dringend benötigte Fachkräfte.

Auch das Familienunternehmen Framos beteiligt sich an dem Projekt, „um neue Talente zu entdecken, die zu uns passen“, so Inhaber und Geschäftsführer Andreas Franz.

Teilnehmer Zaniuk holte mit Ende 20 erst mal den Realschulabschluss nach. Dazu schrieb er sich am Wirtschaftszweig der Abendschule ein. „Der Stoff war anspruchsvoll, aber zu bewältigen“, sagt er. Drei Jahre kämpfte er sich durch Lernerei und Job. Unter der Woche übernahm er die Frühschichten bei seinem damaligen Arbeitgeber, einem großen Discounter. Abends büffelte er an der Schule. „Dafür hieß es dann, samstags bis abends an der Kasse sitzen.“ Viel Freizeit blieb da nicht. Doch seine Mutter hat ihn bestärkt. „Sie ist stolz auf mich.“

Erst kurz vor der Prüfung kündigte er seinen Job im Supermarkt. „Lernen und Arbeiten, das war am Ende einfach zu viel.“ Die Realschul-Prüfung hat Zaniuk locker bestanden, danach aber war er ein halbes Jahr arbeitslos.

Bis ihn sein Betreuer in der Agentur für Arbeit für power25+(me) vorgeschlagen hat. Von da an ging es ratzfatz. Bewerbungstraining, Tests, Vorstellungsgespräch – und schließlich die Zusage von Framos.

Die erste Ausbildung als Einzelhandelskaufmann ist eine gute Grundlage für seinen jetzigen Job. Das Wissen hilft ihm bei der Organisation im Büro. Allerdings gehe es jetzt weniger ums routinemäßige Ausführen als ums kreative Mitdenken. Beispiel Inventur: „Im Supermarkt haben wir nur die Ware gezählt und die Daten an die Zentrale weitergeleitet“, berichtet Zaniuk. „Hier bei Framos kann ich mich mit meinen eigenen Ideen einbringen.“

Sein Traum ist eine Stelle im Vertrieb

Der Azubi, der in seiner Freizeit gern Billard spielt und mit Freunden ins Kino geht, genießt den neuen Spielraum. „Ich bin ein kreativer Mensch.“ Besonders wohl fühlt er sich im Vertrieb, seiner bisherigen Lieblingsstation bei Framos. „Angebote schreiben, Aufträge abwickeln, Lieferzeiten koordinieren“, sagt Zaniuk, „das ist genau mein Ding.“

Und er ist bei Framos nicht der einzige Teilnehmer aus dem Projekt. Die Firma bildet auch einen jungen Polen aus. Er war früher Paketbote und wird nun zum Fachlageristen umgeschult.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich wollte mich beruflich verändern. Über die Agentur für Arbeit kam ich in Kontakt zu Framos. Die Technik fasziniert mich – vorher wusste ich wenig über Kameras und Sensoren.

Was reizt Sie am meisten?

Künstliche Intelligenz, selbst­fahrende Autos, automatisierte Fertigung: Unsere Produkte sind überall dabei.

Worauf kommt es an?

Auf Engagement, Motivation und Spaß an der Kommunikation mit Kunden und Kollegen.


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