Chancen für Mitarbeiter und Betriebe – am Beispiel Airbus

Vom Azubi zum Ingenieur

Hamburg/Mainz. Erik Manke will hoch hinaus. Nach der Lehre zum Fluggerätmechaniker und einigen Jahren im Job peilt er das nächste Ziel an: Maschinenbau-Inge­nieur. Doch die Prüfungen an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben es in sich. Für Mathe, Mechanik und Informatik muss der 24-Jährige ganz schön büffeln.

Das Pensum macht ihm dennoch keine Angst: „Sollte ich scheitern, warum auch immer, erhalte ich meine alte Stelle bei Airbus zurück. Mit dieser Garantie nimmt mir der Betrieb viel Druck weg.“ Bei dem weltweit tätigen Flugzeugbauer hatte der gebürtige Rügener in Hamburg bereits die Ausbildung gemacht.

Jetzt, im Studium, profitiert er von einem der flexiblen Angebote bei Airbus. „Für die etwa 45.000 Mitarbeiter an unseren rund 30 deutschen Standorten gibt es da eine ganze Menge“, sagt Frank Meyer, Leiter des Bereichs Konzern-Personalpolitik: „Wir arbeiten mit einem variabel auf unternehmerische Belange und die Arbeitnehmerwünsche gleichermaßen zugeschnittenen Ansatz.“

Im Fall von Erik Manke heißt dieser Ansatz AAF – Airbus-Absolventen-Förderung. Der Mechaniker zählt zu den Ersten, die an dem Pilotprojekt teilnehmen. Zwar gibt es keine finanzielle Unterstützung, aber gut bezahlte Vollzeitjobs in den Semesterferien und die Beschäftigung als Werkstudent. Zudem stehen den Studierenden persönliche Mentoren zur Seite.

Warum Airbus stark auf Flexibilität setzt, erklärte Personalchef Meyer kürzlich auf dem Arbeitswissenschaftlichen Forum in Mainz, einer Veranstaltung von Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie.

Die Betriebe in der Luft- und Raumfahrt sind starken Marktschwankungen ausgesetzt. Spitzenzeiten müssen ebenso abgefedert werden wie ruhigere Phasen, die von Standort zu Standort ganz unterschiedlich sein können. Die Lösung dafür ist ein Mehrfachkontenmodell, das auch den Interessen der Mitarbeiter entgegenkommt.

Wertkonto für private Auszeiten oder die Pflege von Angehörigen

Neben dem üblichen Arbeitszeitkonto gibt es noch ein Sicherheitskonto mit bis zu 150 Stunden Zeit im Plus- oder Minus-Bereich. Das soll Kurzarbeit vermeiden.

Auf einem Lebensarbeitszeitkonto kann zudem ein dickes Zeit- und auch Geldpolster angespart werden, das dann später die vorzeitige Freistellung noch vor der Rente bei vollen Bezügen ermöglicht.

Zum Airbus-Programm gehören auch sogenannte Wertkonten für besondere Lebenszeiten, die den Mitarbeitern eine persönliche Auszeit ermöglichen oder Raum geben für die Pflege von Familienangehörigen durch eine Teilzeitbeschäftigung mit Entgeltaufstockung.

„Solche flexiblen Arbeitszeitkonten sind Motivationstreiber“, hat Meyer festgestellt. Gaben früher starre Arbeitszeiten, ein fester Arbeitsort, fixe Entgelte oder klare Aufstiegsperspektiven Orientierung und Sicherheit, so ändert sich das seit gut zehn Jahren.

„Mehr Optionen schaffen Vielfalt. Sie bedeuten mehr Wahlmöglichkeiten für Individuen und Betriebe, erfordern aber auch größere Anpassungsfähigkeit beider Seiten“, stellt Nikolaus Schade fest. Der Leiter Arbeitswissenschaft des Arbeitgeberverbands Hessenmetall erkennt hier einen klaren Trend in der Metall- und Elektro-Industrie.

Erik Manke ist das nur recht. „Ich hätte es nicht besser treffen können und hoffe, dass andere Firmen die Absolventenförderung nach Airbus-Vorbild übernehmen.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang