Innovation

Volles Programm für Pille & Co.


August Faller entwickelt und produziert Verpackungen für Arzneimittel

Waldkirch. Routiniert legt Produktionsmitarbeiterin Angelika Baier die ausgestanzten Kartons in die Klebemaschine ein. In rasanter Geschwindigkeit werden sie dann zu Faltschachteln geklebt und von ihrer Kollegin Bettina Bednarz bündelweise in Kartons gelegt. Danach geht es vollautomatisch zur Qualitätsprüfung und nach Freigabe weiter zum Versand.

Über vier Millionen Verpackungen werden im Schnitt täglich bei August Faller im badischen Waldkirch produziert. Dabei konzentriert sich das Unternehmen ganz auf innovative Produkte für die Pharmazie. „Beim Einkaufen in einer Apotheke landet mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schachtel von uns in der Tasche des Kunden“, sagt Daniel Keesman, der das Unternehmen gemeinsam mit Michael Faller leitet.

Vor 129 Jahren gründete Fallers Urgroßvater den Betrieb als kleine Druckerei. Nach dem zweiten Weltkrieg spezialisierte Faller sich dann auf Verpackungen.

 

Seit 1992 wird fast ausschließlich für die Pharma-Industrie entwickelt und produziert. Bis auf wenige Ausnahmen, zum Beispiel MEZ Coats, eine ehemalige Seidenbandweberei, die heute zum britischen Textilkonzern Coats Ltd. gehört. Sie setzt seit 1882 auf die Waldkircher. „Wie könnten wir auf sie verzichten“, sagt Faller.

Schutz vor Fälschungen

Daneben bestellt fast die komplette Pharma-Industrie bei dem Marktführer für Arzneimittel-Verpackungen aus Papier und Karton im deutschsprachigen Raum. „Wir entwickeln uns immer mehr zum Systemlieferanten, der viel mehr bietet als nur Schachtel und Packungsbeilage“, so Keesman.

Allein beim Thema Fälschungssicherheit bietet Faller über 70 verschiedene Merkmale an, die aufgedruckt oder in die Verpackungen eingearbeitet werden können. Sehr gefragt ist ein zweidimensionaler Matrix-Code, durch den eine Medikamentenverpackung jederzeit über eine zentrale Datenbank kontrolliert werden kann.

In Kooperation mit Certego, einem jungen bayerischen Unternehmen, wird zudem an weiteren Verfahren gearbeitet, um die Fälschungssicherheit zu erhöhen. Gemeinsam mit Bosch wurde gerade eine Verpackung aus Karton entwickelt, die die Befüllbarkeit von Ampullen und Spritzen erleichtert.

Und Faller will die Verbraucher vor Unsicherheit bei der Anwendung von Medikamenten bewahren – durch ausgetüftelte Verpackungen mit vielen Extras. Neben Beipackzetteln und besonderen Infokärtchen entwickeln die Waldkircher beispielsweise auch Aufkleber als Marker für den Kalender oder abtrennbare Hüllen. So ist eine kleine Tablettenration immer parat.

Jedes Produkt hat ein ausgeklügeltes Qualitätssicherheitssystem durchlaufen, bevor es das Haus verlässt. Auditierungen durch Kunden – verbunden mit Besuchen – sind an der Tagesordnung und stören niemanden. Drucker und Betriebsratsmitglied Ingo Stockburger: „Die Kontrolle meiner Arbeit ist für mich selbstverständlich, und wenn mir dabei einer über die Schulter schauen möchte, ist das ok.“

1,6 Milliarden Faltschachteln im Jahr

Auch die extrem hohen Anforderungen der japanischen Pharmahersteller werden erfüllt. Faller: „Unser tägliches Ziel ist es, 100 Prozent fehlerfrei zu sein.“ Und das bei einer Produktionskapazität von 1,6 Milliarden Faltschachteln und Packungsbeilagen sowie 900 Millionen Haftetiketten pro Jahr. „Funktionieren kann das nur mit einer qualifizierten und motivierten Belegschaft“, weiß er.

Traditionell wird Aus- und Weiterbildung groß geschrieben, Eigeninitiative und selbstverantwortliches Arbeiten gefördert. 2010 gab es neben Urlaubs- und Weihnachtsgeld für jeden eine Erfolgsbeteiligung.

Thomas Voland (49) gehört seit dem 1. August zum Faller-Team. Durch eine Insolvenz verlor der Drucker seine alte Stelle. Nun schult er um zum Verpackungsmittelmechaniker. Er hatte Angst, dass die Jobsuche mit fast 50 schwierig wird: „Aber dann kam dieses Angebot und ich hab gleich ja gesagt. Manchmal muss man eben Glück haben.“


Info: August Faller KG

1882 als Druckerei gegründet, gehört die August Faller KG in Waldkirch heute zu den Marktführern für pharmazeutische Verpackungen aus Papier und Karton im deutschsprachigen Raum. Mit gut 850 Mitarbeitern, davon fast 50 Azubis, erwirtschaftete das Familienunternehmen 2010 einen Umsatz von rund 93 Millionen Euro. Produziert wird an den Standorten Waldkirch, Binzen und Schopfheim (Kreis Lörrach) sowie in Großbeeren bei Berlin.

www.august-faller.de

 

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