Kniffliges Exportgeschäft

Vollert Anlagenbau: Wie dieser Weltmarktführer mit Handelshemmnissen kämpft

Weinsberg. Mechatroniker Kevin Reichel ist es gewohnt, an riesigen Dingen zu arbeiten: Die gigantische Anlage, an der er gerade Schrauben anzieht, wird später schwere Blechteile in einem Hoch- regallager befördern. Hier in Weinsberg sind heute Gäste aus Venezuela unterwegs, schauen den Mitarbeitern von Vollert Anlagenbau beeindruckt zu. Dieser Betrieb ist Weltmarktführer.

Die Zollauflagen sind zum Teil skurril

„Es gibt fast in jedem Land der Welt einen Markt für uns“, erzählt Geschäftsführer Hans-Jörg Vollert. „Aber um neue Märkte zu erschließen, braucht man einen langen Atem und muss viele Hindernisse überwinden.“ Sein Großvater, der Firmengründer, baute vor 90 Jahren in seiner Schlosserei zunächst Seilbahnen für die Weinberge vor Ort.

Schon in den 30er-Jahren lieferte Vollert nach Amerika, Rumänien, Ungarn. Jetzt ist das Unternehmen immer gefragt, wenn es ums Bewegen von schweren Lasten geht: So fertigen die 270 Mitarbeiter vollautomatische Mega-Hochregallager und Automatik-Kransysteme, die Lasten von 50 Tonnen und noch mehr bewegen. Für die Automobilherstellung baut das Unternehmen zum Beispiel Lager und Systeme, in denen die Pressteile gepuffert und zwischengelagert werden können.

Und Vollert ist überall gefragt. Exportquote: 85 Prozent. Zu 80 Prozent gehen die Produkte sogar ins außereuropäische Ausland. Kunden: in 80 Ländern!

Doch im internationalen Geschäft lauern Risiken, Handelsbarrieren und bürokratische Schikanen, die es jeden Tag aufs Neue zu überwinden gilt. So blickt Firmenchef Hans-Jörg Vollert besorgt nach Russland: „Da nehmen die Zollvorschriften immer weiter zu.“

Teilweise seien es skurrile Auflagen, an die Geschäfte mit ausländischen Kunden geknüpft werden: „An belgische Behörden sollten wir zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis der Geschäftsführer und einen Auszug der Handwerksrolle schicken.“ Der Unternehmer schüttelt den Kopf. Und erzählt weiter: „In Malaysia, da wurde jetzt eine Mehrwertsteuer eingeführt, aber keiner kann Auskunft geben, wen genau sie betrifft.“ Diese Ungewissheit bedeutet für das Unternehmen ein Risiko in Höhe von 15 Prozent des Auftragswertes.

Um Weltmarktführer zu bleiben, zähle auch Flexibilität. „Man muss sich immer wieder neu erfinden“, sagt Vollert. Neben Intralogistiksystemen zum Transport auf dem Betriebsgelände zum Beispiel für die Metall- und Aluminium-Industrie hat das Traditionsunternehmen auch Rangier- und Verladesysteme entwickelt, wie eine selbstfahrende Rangiermaschine. Außerdem liefern die Weinsberger auch ganze Produktionswerke für Betonfertigteile. Aktuell wurde so ein Werk etwa in Neukaledonien gebaut, einer zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik.

Das Unternehmen, zu 100 Prozent in Familienbesitz, wächst weiter, investiert in diesem Jahr 4 Millionen Euro. „Gerade in Krisensituationen haben wir immer wieder neue Technologien erfunden.“ Vollert wird etwas nachdenklich. „Ohne Risikobereitschaft geht in unserem Geschäft gar nichts.“


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