Mittelstand

Viele Standbeine, wenig Sorgen


Wie sich eine Verzinkerei in der Automobil-Krise behauptet

Hüttlingen. Rost! Was für eine Plage: Ob am Gartenzaun, am Fahrrad, am Auto. Einmal da, ist er kaum mehr wegzubekommen. Gut, dass man Stahl verzinken kann. So hat Rost keine Chance. Die Automobil-Industrie baut zunehmend feuerverzinkte Teile in die Karosserien ein.

Das beschert der Verzinkerei Karger auf der Ostalb viele Aufträge. Normalerweise jedenfalls: Jetzt, da die Automobil-Industrie in der Krise steckt, ge hen auch bei dem 55-Mann-Betrieb weniger Bestellungen ein. Die Zahl der Aufträge aus der Auto-Industrie ist um 30 Prozent zurückgegangen.

Trotzdem blickt Betriebsleiter Josef Kucher relativ zuversichtlich in die Zukunft. „Wir sind breit aufgestellt“, sagt er. Nur 30 Prozent aller Aufträge kommen aus der Automobil-Industrie. Kucher erzählt, was sein Unternehmen sonst noch alles verzinkt. Etwa Hundezwinger, Gerüstteile für den Bau, Laufbänder für Pferde, wie sie gerne in Dubai verwendet werden, oder Gartenzäune. Auf solche Dinge konzentriert sich der Betrieb jetzt stärker.

Genauigkeit ist wichtig

Einen Zaun senkt Mitarbeiter Naci Ayas gerade in das über 450 Grad heiße Zinkbad. Es zischt, brodelt, und dann taucht das verschnörkelte Gitter silbrig glänzend wieder auf. Ummantelt mit einer Stahl-Zink-Verbindung, die es vor Wind und Wetter schützt.

 

Ayas arbeitet seit 24 Jahren als Verzinkungsgehilfe in Hüttlingen. Er ist ein Mann mit ruhiger Hand. Weiß genau, mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Winkel man die Teile am besten aus dem Bad zieht. Je genauer er arbeitet, desto weniger Nacharbeit steht an.

Selbst beim Aufhängen der Stahlteile am Tauchgitter sind Erfahrung und Konzentration gefragt. Kucher: „Einmal übersehen, dass ein Stahlrohr kein Abflussloch für das Zink hat, und schon kann es im Rohr zur Explosion kommen. “ Sorgsame Arbeit spart Zeit, und die kann der Betrieb nutzen – etwa, um den Kunden Zusatzleistungen an zubieten.

So können sie ihre Teile beispielsweise direkt weitertransportieren lassen zur Pulverbeschichtung. Dafür hat Karger einen eigenen Fuhrpark.

Die Nachfrage nach Service steigt

Auf Wunsch bohren die Mitarbeiter auch Schraubenlöcher wieder auf, die vom Zink verschlossen wurden, oder schleifen die Teile ab. Der Hintergedanke: Mehr Service, mehr Kunden. Die Nachfrage nach Mehrwert steigt nämlich. Rund 12.000 Tonnen Stahlteile werden jährlich in Hüttlingen angeliefert. Eine Menge Arbeit ...

Rut Katzenmaier

 

Info: Karger Verzinkerei Ostalb GmbH

Der Betrieb ist Teil der Firmengruppe Karger. Mit 180 Mitarbeitern im Bereich Verzinkerei und Gitterrost-Herstellung macht die Gruppe 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr, davon im Schnitt 7 Millionen in Hüttlingen.

www.karger.net

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