Arbeiten am Christfest

Viele Menschen tun zu Weihnachten Dienst – die Industrie zahlt dafür dicke Zuschläge

Köln. Marcel Ebrahimi kann das Fest nur zum Teil genießen. Am zweiten Weihnachtstag muss der 35-Jährige zur Frühschicht in die Firma. Er und seine zwölf Kollegen steuern bei CABB im Chemiepark Knapsack im rheinischen Hürth eine Fabrik zur Produktion von Chloressigsäure, machen Rundgänge durch die Anlage, analysieren Proben.

Ebrahimi nimmt es gelassen: „Für mich als Junggeselle ist das kein Problem; ich habe keine Frau und Kinder, die auf mich warten“, sagt er und lächelt. „Zudem gibt es 150 Prozent Zuschlag auf den Lohn, und zwar steuerfrei!“

Ebrahimi ist kein Einzelfall. Während die meisten Deutschen Weihnachtsbaum, Festessen und heimeliges Beisammensein genießen, müssen Millionen zur Arbeit. Weil sich Hochöfen nicht abstellen lassen, wie etwa bei ThyssenKrupp in Essen, weil Schmelzöfen heiß bleiben müssen, wie beim Kupfer-Hersteller Aurubis in Hamburg, weil die Kraftstoff-Produktion weiterläuft, wie in der Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe.

Dienst tun auch viele Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte, Feuerwehrleute und Polizisten sowie die Mitarbeiter von Restaurants, Hotels, Kraftwerken und Tankstellen.

„Es ist etwas ruhiger, manche Teams kochen gemeinsam“

Wie viele Erwerbstätige an Weihnachten und Neujahr ran müssen, lässt sich nicht genau beziffern. Aber laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden arbeiteten 2013 knapp 5,8 Millionen ständig oder regelmäßig an Sonn- und Feiertagen und weitere 5,3 Millionen gelegentlich. Diese insgesamt 11 Millionen Erwerbstätigen sind potenzielle Kandidaten für Weihnachtsdienste. Ebrahimi erklärt es so: „Wenn man in Wechselschicht arbeitet, gehört das dazu.“

Wer an den Festtagen Tannenbaum und Gabentisch gegen Blaumann und Helm tauscht, wird dafür in der Industrie oft generös entlohnt. In Metall- und Elektro-Firmen beträgt der Zuschlag zum normalen Entgelt je nach Tarifregion an Heiligabend und Silvester 50 bis 150 Prozent, an Weihnachtsfeiertagen und Neujahr zwischen 100 und 150 Prozent. Beispiel Baden-Württemberg: „Ein Facharbeiter der Entgeltgruppe EG9, die in den Belegschaften am häufigsten vorkommt, kann seinen Stundenlohn dadurch von knapp 25 Euro auf über 60 Euro hochschrauben“, berichtet Gabriel Berger, Experte für Tarifrecht beim Arbeitgeberverband Südwestmetall in Stuttgart.

Für alle, die am Fest fleißig sind, hat Vater Staat auch ein Geschenk: An Heiligabend und Weihnachten sind bis zu 150 Prozent Zuschlag steuerfrei, an Silvester und Neujahr bis zu 125 Prozent. Auch Krankenschwestern und -pfleger bekommen dicke Zulagen, sofern sie für ihren Dienst keinen Ausgleichstag erhalten. In anderen Branchen, etwa Hotels und Gaststätten, sieht der Tarifvertrag dagegen keine Feiertagszuschläge vor.

„Driving home for Christmas“ – der Besuch von Familie, Verwandten und Freunden gehört für die meisten zum Fest. Für die, die dabei auf die Bahn setzen, arbeiten in diesem Jahr 70.000 Schaffner, Fahrkartenverkäufer und Fahrdienstleiter. Sie erhalten 5,07 Euro Zulage pro Stunde sowie einen Ersatzruhetag. Ähnlich ist das bei der Berufsfeuerwehr geregelt, erklärt Andreas Herlinghaus, Pressesprecher der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft. „Dafür ist es etwas ruhiger, manche Teams kochen gemeinsam“, weiß der Hauptbrandmeister. „An Silvester gibt es häufiger Alarm. Aber wir sind ja dafür da, zu helfen.“

Sinnvolle Aufgabe erhöht die Motivation

Auch Manfred Gutmann, Maschinenführer im Werk Essen des Glasherstellers Gerresheimer, zieht seine Motivation aus der Aufgabe: „Wir stellen zum Beispiel Infusionsflaschen für die Pharma-Industrie her, die nach den Feiertagen dringend benötigt werden. Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf.“ Gutmann muss mit seiner Schicht am ersten Festtag ran. Am zweiten feiert er mit Frau und Tochter.


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