Nachhaltigkeit

Viel Natur - viel Kraft!


Die fit GmbH nutzt für ihre Spülmittel das Salz der Zitronensäure

Hirschfelde. Nein, mit Zitronen handelt Wolfgang Groß nicht. Der Geschäftsführer der fit GmbH braucht die gelben Früchtchen für seine Arbeit auch nicht. Ihm reicht Citrat, ein Salz der Zitronensäure. Und das lässt sich viel einfacher und billiger mit Hilfe eines kleinen Pilzes aus Abfällen nachwachsender Rohstoffe gewinnen. Doch der Reihe nach.

Ostdeutschlands bekannter Hersteller von Spülmitteln hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich. 33 Prozent beträgt mittlerweile im Osten der Marktanteil des Spülmittels, immerhin 8 Prozent sind es bundesweit. Der Umsatz des Unternehmens mit 110 Mitarbeitern, darunter 15 Lehrlinge, stieg von 32 auf 35 Millionen Euro.

Allerdings war 2008 auch ein Jahr stark steigender Rohstoffpreise. Enorm in die Höhe geschossen sind etwa die Einkaufskosten für Erdöl und Phosphate. Das verteuert auch die gängigen Grundstoffe für die Spül- und Waschmittel-Produktion.

Da sich dies trotz der Konjunkturkrise langfristig nicht ändern wird – die Ressourcen werden knapper – müssten Alternativen her, so fit-Chef Groß. Und auch aus Gründen des Klimaschutzes. Vor allem, um „mehr Verantwortung und Respekt für die Umwelt“ zu zeigen, hat man sich in der Firma zusammengesetzt.

Palmkernöl statt Erdöl

Ergebnis: „fit Grüne Kraft“ und „Rei Grüne Kraft“. So heißen die Alternativen, die sich das 15-köpfige Forschungsteam im Werk der kleinen Gemeinde Hirschfelde bei Zittau, weit im Osten Sachsens, einfallen ließen. Die beiden Produktserien umfassen eine Reihe von Spül-, Reinigungs- und Waschmitteln. Grün daran ist, dass wichtige Bestandteile aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Das schont die Ressourcen.

Für das neue „Rei Grüne Kraft“ heißt das konkret: Wasserenthärter (Zeolithe oder Phosphate) und Schmutzlöser (Tenside) werden nicht mehr energie-intensiv aus Erdöl gewonnen, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen.

Etwa aus Palmkernöl, erzeugt mit Hilfe von nachhaltig bewirtschafteten Palmen-Plantagen. Diese neue Tensid-Generation sei „besser und schneller“ biologisch abbaubar, sagt Ge­schäftsführer Groß.

Das gilt auch für das Citrat, ein Salz der Zitronensäure. Diese im Tier- und Pflanzenreich weit verbreitete Säure wird mit Hilfe des Pilzes „Aspergillus niger“ aus Bio-Abfall gewonnen. Beispielsweise aus Zuckerrüben-Melasse.

Das Citrat kommt im neuen „Grüne Kraft“-Waschmittel der Marke Rei zum Einsatz. Dort löst es den Wasserenthärter Zeolith ab, der ebenfalls sehr energieaufwendig hergestellt werden muss und anders als Citrat nicht 100-prozentig wasserlöslich ist. Vorteil beim Waschen: keine weißen Ränder mehr auf der Wäsche.

Die Umweltfreundlichkeit der „Grüne Kraft“-Produkte hat Groß inzwischen schriftlich. Und zwar von der Europäischen Union. Nach umfangreichen Tests unabhängiger Institute gab es das „Europäische Umweltzeichen“. Groß: „Allein mit unseren Produkten  können wir zwar das Weltklima nicht retten, jedoch einen wichtigen Beitrag dazu leisten.“

Öko-Produkte bringen Umsatz

Im Jahr 2008 wurde von den insgesamt 35 Millionen Euro 1 Million  Jahresumsatz mit den Öko-Produkten erwirtschaftet. Dieses Jahr sollen es 3 Millionen, nächstes Jahr dann 5 Millionen werden. „Immer mehr Verbraucher suchen gezielt nach umweltverträglichen Produkten“, sagt Marketingchef Markus Jahnke.

Fast 73 Millionen Euro sind seit der Privatisierung 1993 in das Werk investiert worden. Damit ist es laut Geschäftsführer Groß eines der modernsten in Europa.

Uwe Rempe

So wirken Tenside

Die Tenside, die sich die Firma fit für ihre Serie „Grüne Kraft“ aus Naturprodukten holt, gehören in jedes Spül- oder Waschmittel: Sie lö­sen Schmutz – und halten ihn im Wasser. So verhindern sie, dass er sich wieder absetzt.

Tensid-Moleküle bestehen aus zwei Teilen. Der wasserabweisende sucht sich ein trockenes Plätzchen am Schmutz, während der wasseranziehende in die Spüllauge ragt. Folge: Der Schmutz schwebt im Wasser.

UR

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang