Wettbewerb

Viel Erfolg – und ein großes Ärgernis


Sennheiser klagt über zunehmende Produkt-Piraterie

Wedemark. Was die Kunden angeht, kann die Firma Sennheiser nicht klagen: Erst kürzlich, Mitte Mai beim Finale des Eurovision Song Contest, konnte das Familienunternehmen aus Wedemark vor den Toren Hannovers der Welt zeigen, dass es Shows der Superlative mit kompletter Audio-Technik ausstatten kann. Umsätze und Ergebnisse sind hervorragend. Doch Sorgen bereitet Sennheiser ein anderes Thema.

Razzia in China

„Wettbewerber in aller Welt kopieren die Ideen von Sennheiser – und bereiten dem Unternehmen dadurch einen großen Schaden“, sagt Professor Jörg Sennheiser, der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Er beziffert die finanzielle Einbuße mit einem höheren einstelligen Millionenbetrag. „Viel schlimmer noch ist der Imageschaden, den die Produkt-Piraten anrichten.“

Es ist kein Einzelfall. Nach Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gäbe es ohne das verbotene Nachahmen deutscher Marken-Produkte bundesweit 70.000 Arbeitsplätze mehr – und jährlich rund 30 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz der deutschen Wirtschaft.

Das Phänomen erreicht mitunter irrwitzige Ausmaße, berichtet Jörg Sennheiser: „Früher haben wir bei Testkäufen im Internet von zehn Produkten zwei Fälschungen entdeckt – zuletzt sind es bei zehn Einkäufen auch schon zehn Fälschungen gewesen.“ Man gehe bei solchen Entdeckungen sofort juristisch gegen die Beteiligten vor. „Das ist organisierte Kriminalität.“ Experten sagen, dass die Gewinnspannen längst so hoch wie im Drogenhandel sind. Beispielsweise wurden im Oktober 2010 bei einer Razzia in der südchinesischen Stadt Enping rund 1200 gefälschte Audio-Geräte sichergestellt.

Bekenntnis zu Niedersachsen

Der rund um den Globus bekannte Audiospezialist gehört zu den Leuchttürmen in Niedersachsen. „Das wollen wir auch bleiben“, gibt Jörg Sennheiser ein Bekenntnis zum Standort ab. Er ist Sohn des Firmengründers, holte inzwischen seine Söhne Daniel (38) und Andreas (36) in den sechsköpfigen Vorstand.

Insgesamt stehen 13 Mitglieder der Familie persönlich für die Firma. Sie haben eine Charta erarbeitet. Kernpunkte: Denken in Generationen, Vertrauen, Unabhängigkeit, Bodenständigkeit in der Wedemark, Risikobereitschaft, Fairness, Neugierde, Sparsamkeit, ständiger Mut zum Wandel und kulturelle Vielfalt.

Mandy Schakat/Werner Fricke

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