Chancen beim Schaltschrank-Hersteller

Vetterkind bildet auch Hauptschüler aus

Twistringen. „Zu Vetterkind?“, fragt die Kassiererin in der Tankstelle. „Ja natürlich kenne ich den Weg: in die Industriestraße und dann links.“ Das mittelständische Familienunternehmen ist in Twistringen nahe Bremen ein Begriff: Der Spezialist für Schaltschränke und Automatisierungslösungen mit 75 Angestellten und elf Auszubildenden zählt zu den wichtigen Arbeitgebern hier.

Und die Vetterkind GmbH engagiert sich in der „5.000er-Initiative“ des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall. Der Betrieb bildet Hauptschüler aus, die sonst kaum Chancen hätten. Der Verband unterstützt ihn mit 5.000 Euro für jeden dieser Azubis.

Jana Tolle, die ihrem Vater Werner Kollmeyer vor drei Jahren in der Geschäftsführung nachgefolgt ist, sagt über die Motive: „Der Fachkräftemangel ist ein Aspekt. Vor allem aber wollen wir Mitarbeiter ausbilden, die langfristig bei uns bleiben.“ Realschulabsolventen würden den Betrieb nach der Ausbildung oft verlassen, etwa weil sie studieren wollen. „Also haben wir die Voraussetzung ,´Realschulabschluss´ aus den Stellenanzeigen gestrichen.“

Einer, der davon profitiert hat, ist Jannik Drieling. Der 21-Jährige sortiert gerade in der Fertigungshalle Waren in unzählige Kisten ein, gefüllt mit Sicherungsautomaten, Frequenzumrichtern und anderen Bauteilen. Er war der erste Azubi mit Hauptschulabschluss, den Vetterkind ausgebildet hat. Inzwischen ist er fest angestellt, als Fachkraft für Lagerlogistik. „Die Ausbildung habe ich mit ,gut´ abgeschlossen“, sagt er stolz. In seiner Berufsschulklasse, die auch von Realschulabsolventen besucht wurde, lag er damit im guten Durchschnitt. „Früher“, sagt Drieling, „war ich in der Schule leider faul und bin unter meinen Möglichkeiten geblieben.“ Doch dann kam die zweite Chance bei Vetterkind.

Seine Ausbilderin hat in zusätzlichen Wochenstunden daran gearbeitet, dass er seine Wissenslücken schließen konnte. Eben diesen kostenintensiven Mehraufwand seiner Mitgliedsfirmen fördert der Arbeitgeberverband finanziell. Da das so gut funktioniert hat, bildet Vetterkind inzwischen einen zweiten Azubi mit Hauptschulabschluss zum Elektroniker für Betriebstechnik aus: Marcel Meyer (18). Er steht gerade an einer Schneidemaschine und bringt Kupferschienen auf die richtige Länge. „Ich habe einen guten Ausbildungsplatz in der Region gesucht“, sagt er.

Auch für Vetterkind passte der junge Mann gut. „Klar erwarten wir bei Hauptschülern keine perfekten Noten, aber Mathe und Physik sind uns wichtig“, sagt Juniorchefin Tolle. Bei den praktischen Fertigkeiten stünden Hauptschüler anderen Azubis in nichts nach.

Wie Drieling will auch Meyer nach seiner Prüfung im Betrieb bleiben. Die Zukunft sieht gut aus, die Firma bietet bezahlte Weiterbildungen an: „Das Know-how bleibt ja im Unternehmen“, sagt Tolle, „wir sind absolut zufrieden mit den Jungs.“


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