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Vespa-Akrobat


Hilti-Entwickler Hans Appel zeigt Kunststücke auf Rollern

Kaufering. Es erwischte ihn spät. Aber umso heftiger. Hans Appel und die Vespa – es war Liebe auf den ersten Blick. Erst mit Mitte 30 stieg der heute 47-jährige Projektleiter des Werkzeugherstellers Hilti zum ersten Mal auf einen Kult-Roller italienischer Bauart. Heute besitzt der Sammler sechs Oldtimer-Maschinen im Originalzustand.

Seit acht Jahren tritt der Münchner zudem mit Mitgliedern des Vereins „Vespa Oldtimerfreunde München“ als Akrobat auf Rädern auf. Die neun waghalsigen Kerle und drei Frauen springen dann mit ihren Rollern durch Feuerreifen, steigen zu siebt auf ein Gefährt oder bilden zu acht auf drei nebeneinander fahrenden Maschinen eine Pyramide. Sie werden meist für Festivals der Szene oder andere Events, etwa Stadtfeste, gebucht.

„Dank meines Hobbys komme ich ganz schön rum“, erzählt Appel, der sonst für Hilti am Standort in Kaufering bei Landsberg am Lech Bohrhämmer und Bohrmaschinen entwickelt. Mit seiner Gruppe ist er schon in Monaco aufgetreten. Ebenso in Portugal, Österreich und Holland. Auch in Italien, dem Mutterland der Roller, war er bereits zu Gast.

Sinn fürs Gleichgewicht

Appel nimmt bei Kunststücken meist nicht direkt hinter dem Lenker Platz. Stattdessen steht er mit ausgestreckten Armen auf dem Sitz und beweist an der Spitze einer Pyramide seinen guten Gleichgewichtssinn. „Ich bin relativ groß, deshalb muss ich meistens ganz nach hinten in die Mitte“, erklärt er den Grund für seine herausragende Rolle.

Ein wirklich schlimmer Unfall ist laut Appel bislang noch nicht passiert. Wenn er oder ein anderer Akteur hin und wieder ungewollt absteige, blieben jedoch Schürfwunden und Prellungen nicht aus. „Das gehört eben dazu“, sagt der Münchner. Dass er einmal nur zur Gaudi auf einen Roller steigen würde, hatte er sich vor zehn Jahren noch nicht vorstellen können: „Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind.“

Vor neun Jahren schnupperte er nur durch Zufall bei den „Vespa Oldtimerfreunden München“ rein. Robin Davy, Präsident des Klubs und bekannt wie ein bunter Hund in der europäischen Roller-Szene, hatte im Internet ein Ersatzteil angeboten, das Appel für seine Vespa benötigte. Er besuchte das Vereinstreffen und infizierte sich mit dem Vespa-Virus.

Original-Modelle kosten viel Geld

Seitdem sammelt und bastelt der Hilti-Mitarbeiter leidenschaftlich. Gut erhaltene Maschinen und ein paar PS mehr lassen sein Herz höher schlagen.

Die wertvollsten Original-Modelle wechseln schon mal für fünfstellige Beträge den Besitzer. Aufgemotzte Vespas knacken die 30-PS-Marke. „Wer ein älteres, gut erhaltenes Fahrzeug haben will, muss ganz schön Geld in die Hand nehmen“, sagt Appel. Auch er hat in der Vergangenheit schon einige Male etwas tiefer in die Tasche gegriffen.

Beim Sammeln ist es jedoch nicht geblieben. Die Akrobatik-Truppe des Klubs suchte vor acht Jahren kurzfristig einen Ersatzmann. Appel sollte im Training eigentlich erst mal nur zuschauen. Doch ziemlich schnell hieß es dann: „Komm, stell dich einfach mal drauf!“ Das macht Appel noch heute.

 

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich war schon immer ein kreativer Mensch, der sich in seiner Freizeit als Heimwerker betätigt hat. Durch einen glücklichen Zufall wurde ich auf Hilti aufmerksam – und meine Blindbewerbung hatte Erfolg.

Was gefällt Ihnen besonders?

Schön sind die Freiheiten in der Projektplanung. Wenn man dann sein „Baby“ im Katalog sieht und viele Kunden zufrieden sind, ist das eine Genugtuung.

Worauf kommt es an?

Man braucht Erfahrung und den Willen zum Erfolg. Außerdem sollte man andere für sein Projekt begeistern und Entscheidungen treffen können.

 

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