Fachkräftemangel

Verstärkung für die Betriebe


Das Programm „Bienvenido“ wirbt fürs Arbeiten in Niedersachsen

Hannover. Deutsche Unternehmen suchen händeringend geeignete Bewerber für ihre freien Stellen, während in Spanien und Portugal gut ein Viertel der Menschen arbeitslos ist. Die Deutschkurse sind überfüllt. Jeder Vierte, der dem Drama auf dem heimischen Arbeitsmarkt entfliehen will, gibt Deutschland als Ziel an. „Und wo wollen alle hin?“, fragt Miguel Montero von der spanischen Botschaft in der Bundesrepublik. „Nach Deutschland, aber noch zu wenige nach Niedersachsen.“ Die größte Anziehungskraft üben Berlin und Süddeutschland aus.

Gezielt wird deshalb jetzt auf der Iberischen Halbinsel um Fachkräfte für Niedersachsen geworben. Dabei hilft das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) – mit dem Programm „Bienvenido“. Konsequent wird dabei mit Bildungsträgern, Universitäten, Ausbildungseinrichtungen und Arbeitsagenturen zusammengearbeitet – in den spanischen Städten Huelva, Granada, Sevilla, Motril und Murcia sowie im portugiesischen Faro. Das BNW kümmert sich um die Rekrutierung der Fachkräfte und ihre sprachliche und kulturelle Vorbereitung sowohl in der Heimat als auch in Deutschland. Zudem organisiert es Praktika, unterstützt den Integrationsprozess durch eine pädagogische Betreuung und hilft bei Umzug, Wohnungssuche oder der Überwindung bürokratischer Hürden.

„Betriebe werden die Leute integrieren“

Hermann Weiland, Siemens-Personalleiter aus Braunschweig, hält das für den richtigen Weg. „Unter den vielen Wegen, wie wir an unser Personal herankommen, stellt dieser sicher eine lohnenswerte Alternative dar“, sagt er. Uwe Rossberg, langjähriger Personaler der Firma Wabco und heutiger Leiter der Wabco University in Hannover, bringt es auf den Punkt: „Macht es einfach! Holt spanische Jugendliche und Fachkräfte nach Deutschland. Die Betriebe werden sie hier integrieren.“

Auch Olaf Brandes, Bildungsexperte des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, stimmt zu: „Wenn wir ein einheitliches Europa wollen, ist es nur konsequent, Arbeitskräfte auszutauschen.“ Die krassen Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt zwängen deutsche Arbeitgeber geradewegs dazu, auf Personalsuche in Spanien zu gehen.

Chancen für deutsche Bewerber

In Spanien, so Brandes, sei etwas ins Rollen gekommen. Gleichwohl müsse man realistisch bleiben. Eine schnelle Lösung der Jugendarbeitslosigkeit dort sei auch dann nicht zu erwarten, wenn dort nach deutschem Vorbild das duale System eingeführt werde.

Darüber hinaus mahnt er: „Selbst wenn Tausende Südeuropäer den Weg zu uns nach Deutschland finden, ändert das nichts daran, dass hierzulande Hunderttausende junger Menschen auch eine Chance verdienen. Wir dürfen nicht nachlassen, im eigenen Land, Fachkräfte heranzuziehen. Das eine tun, ohne das andere zu lassen, darum geht es.“

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