Papierverarbeitung

Verpackungsdruck: Hightech-Fertigung mit Herz für die Umwelt


Baiersbronn. Ein Paket Nudeln oder Kosmetik: „Ich freue mich immer, wenn ich beim Einkaufen eine Verpackung entdecke, die ich hergestellt habe“, erzählt Saliha Erkekoglu. Schachteln von der Konkurrenz nimmt sie oft genauer unter die Lupe: „Ich will wissen, ob die sie so machen wie wir.“

Erkekoglu arbeitet beim Unternehmen Colordruck im Schwarzwaldort Baiersbronn, bedient hier eine Fensterbeutel-Einklebemaschine. Die klebt Beutel aus einem Papier-Kunststoffverbund in Faltschachteln ein.

Colordruck (180 Mitarbeiter) hat sich auf Verpackungsdruck spezialisiert, vorwiegend für die Lebensmittel-Industrie. Jährlich entstehen hier – sehr umweltbewusst – rund eine Milliarde Verpackungen. „Wir haben einen extrem hohen Automatisierungsgrad und zählen zu den Technologieführern in Europa“, betont Martin Bruttel, der das Familienunternehmen mit Thomas Pfefferle führt.

Produktionsmitarbeiterin Heidi Knaus arbeitet Hand in Hand mit einem Roboter. „Er ist ein netter Kollege, eine Erleichterung und passt sich ohne Murren meinem Tempo an“, sagt sie mit einem ­Augenzwinkern. Kollege Roboter bereitet Transportkisten vor, in ­die Knaus fertige Faltschachteln einlegt. Die vollen Kartons klebt der Roboter dann zu, macht sie versandfertig und lässt sie automatisch abtransportieren.

Etwa ein Drittel der Produkte wird als Faltschachtel-Zuschnitt an die Kunden geliefert und von ihnen mit modernen Verpackungsautomaten verklebt.

Immer beliebter werden Komplett-angebote: Colordruck entwickelt und produziert die Verpackungen, übernimmt die gesamte Konfektionierung und den Versand der fertigen Waren. Da werden Zahnpasta-Tuben nebst Infoblättern maschinell in Schachteln geschoben, Autozubehör verpackt und in den Handel gebracht.

Pralinenschachteln & Co. werden vollautomatisch mit dem süßen Inhalt bestückt

Im Werk stehen hochmoderne Verpackungslinien, wie eine vollautomatisierte „Pick & Place“-Roboteranlage: Hier bekommen etwa Adventskalender ihren Inhalt und werden versandfertig gemacht. „Wir bestücken viele Premium-Marken, die einzeln verpacktes Naschwerk beinhalten“, erklärt Pfefferle, „egal ob Schokoriegel, Gummibärchen oder Bonbons.“ Die ganze Bandbreite des drucktechnischen Könnens ist gefragt, von der Effekt­lackierung bis zur Folienprägung.

Das alles möchte der Betrieb klimaneutral leisten, dank eines ausgetüftelten Nachhaltigkeitskonzepts. Strom bezieht er zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen. Wärme kommt aus dem eigenen Hackschnitzelheizwerk, in dem Einwegpaletten verwertet werden. Im Sommer kühlt Wasser aus dem Fluss Murg die Hallen. Zum Einsatz kommen nur mineralölfreie, unbedenkliche Farben und Lacke auf Pflanzenöl-Basis.

Sogar die drei neuen Druckmaschinen der Marke Heidelberger wurden klimaneutral produziert – das heißt: Den dabei entstandenen Ausstoß des schädlichen Gases CO2 hat der Hersteller durch ein Wiederaufforstungsprojekt ausgeglichen.

Sie lieben die neue Ordnung: Thomas Großmann (links) und Andeas Trück. Foto: Scheffler

Schon Gewusst?

„Kaizen“ macht vieles einfacher

  • Kaizen ist eine japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie und steht für die Veränderung (Kai) zum Besseren (Zen). Vor allem in der Automobil-Industrie wurde aus diesem Gedanken ein Managementsystem entwickelt, das den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) im Unternehmen fördern soll. Colordruck in Baiersbronn hat Kaizen vor zwei Jahren eingeführt.
  • Mach es einfacher! Mit diesem Satz bringe man Kaizen am besten voran, sagt Andreas Trück, der KVP-Beauftragte: „Weil das die Kollegen schnell überzeugt.“ Wenn Arbeitsabläufe einfacher und Rüstzeiten verkürzt werden oder niemand mehr Werkzeug suchen muss, sind die Vorteile offensichtlich. „Die Mitarbeiter haben richtig tolle Ideen“, weiß Trück, „aber wenn niemand fragt, behalten sie die oft lieber für sich.“
  • Mitarbeiter Thomas Großmann ist inzwischen begeistert vom Kaizen. „Früher hatten viele ihr eigenes Werkzeug dabei, wie beim Friseur“, erzählt er. „Heute steht jedem für jeden Prozess das beste Werkzeug zur Verfügung, alles ist an seinem Platz, und das spart jede Menge Zeit und Nerven“, sagt der Verpackungsmittelmechaniker und stellvertretende Abteilungsleiter in der Stanzerei. Auch Springer können alles blind greifen. Oft bespricht Großmann mit Andreas Trück neue Ideen. „Wenn alles einfacher wird, kommt die Akzeptanz neuer Abläufe ganz von allein“, sagt Großmann.

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