Firmenstrategie

Ventil-Produzent Flowserve setzt auf Wachstum – und den Standort NRW

Essen. „Ich suche die Herausforderung“, sagt Nils Hanenberg selbstbewusst. Und er hat sie mal wieder gefunden. Da steht sie schon: nagelneu, gerade erst in Betrieb genommen. Es ist das Dreh-, Bohr- und Fräszentrum, mit dem die Flowserve Essen GmbH künftig die Gehäuse für ihre Ventile vollautomatisch fertigen und ab dem kommenden Jahr eine dritte Schicht mannlos fahren wird.

Hanenberg testet die Anlage schon in der Praxis. Bald wird die Kundschaft in aller Welt ihre Ventile noch viel schneller erhalten. Sie regeln den Durchfluss in den Leitungen von Chemie- und Petrochemieanlagen und beim Abfüllen von Getränken und Lebensmitteln.

„Wir können während der Bearbeitungszeit rüsten und sparen dadurch Zeit“, erzählt der junge Zerspanungsmechaniker, der bei der Essener Tochter des US-Konzerns Flowserve auch seine Ausbildung gemacht hat. Zur Vorbereitung war er fünf Wochen auf Lehrgang.

Seinem Chef war Hanenberg als wissbegieriger Mensch aufgefallen. „Wir brauchen Mitarbeiter, die sich weiterentwickeln wollen“, sagt Alexander Dolipski, der als General Manager die Konzerntochter leitet. „Mitarbeiter, die den Schritt von einfachen zu sehr komplexen Technologien machen. Diesen Schritt vollziehen wir als Unternehmen ja auch.“

Flowserve Essen ist wie ein Juwelier, der Einzelstücke und Kleinstserien macht. Die Ventile müssen hohen Drücken oder extremen Temperaturen standhalten, außerdem öl-, staub- oder keimfrei sein. Bis in die 90er-Jahre war das Essener Werk ein deutsches Familienunternehmen: Es hieß Kämmer Ventile – und produzierte hauptsächlich für den hiesigen Markt.

Doch inzwischen werden 60 Prozent des Umsatzes in Asien, Russland, im Mittleren Osten oder Südafrika erzielt. Dank der Konzernmutter kann das Unternehmen rund um den Globus bei großen Projekten mitmischen. Etwa beim Bau von Anlagen für Stahlwerke und Raffinerien in China.

Diese Anlagen zerlegen die Luft in ihre Bestandteile, um beispielsweise Sauerstoff und Edelgase für die Stahlproduktion zu nutzen. Explosionsschutz ist dabei das A und O. „Die Sicherheitstechnik ist in Europa seit 30 Jahren Standard. Jetzt holen andere Regionen nach“, so der Firmenchef.

Flowserve hält aus Qualitätsgründen am Standort Nordrhein-Westfalen fest. Deshalb investierte die Firma jetzt 1,5 Millionen Euro in das neue vollautomatische Zentrum.

Und das geht nicht zulasten der Arbeitsplätze. Ganz im Gegenteil: „Wir haben gerade sechs Zeitarbeiter übernommen, weil wir auf Wachstum ausgelegt sind.“ Außerdem bildet der 180-Mann-Betrieb aus. Man will eben mehr Leute wie Nils Hanenberg: die den Beruf von der Pike auf gelernt haben und immer eine Herausforderung suchen.

Firmen-Steckbrief

17.000 Mitarbeiter in 56 Ländern

  • Flowserve Essen produziert unter der Marke „Kämmer Regelventile“ Unikate und Kleinserien für die Chemie-, Petrochemie- und die Lebensmittel-Industrie.
  • Das Unternehmen gehört zum amerikanischen Konzern Flowserve. Der stellt Ventile, Pumpen und Dichtungen her, hat mehr als 17.000 Mitarbeiter und Standorte in 56 Ländern.
  • Der Konzernumsatz belief sich 2013 auf rund 3,8 Milliarden Euro.

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