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Varta erklimmt den Mount Everest


Die Nähe von Entwicklung und Produktion sichert dem Batteriehersteller einen Vorsprung

Ellwangen. Die kleinen Metallgehäuse glitzern, wenn sie – wie Perlen aufgereiht – vom Band laufen. Becher heißen diese Kleinteile. Sie bilden die Pluspole von Batterien. Dafür wird jeder von ihnen mit Filterpapier ausgelegt.

Die andere Hälfte – der Deckel oder Minuspol – wird mit Zinkpulver und Flüssigkeit gefüllt, sodass eine geleeartige Masse entsteht. Sobald beide Seiten zusammengefügt sind und durch kleine Öffnungen Sauerstoff ins Innere strömen kann, ist die Batterie aktiv.

Mini-Kraftpakete für Hörgeräte

Millionen solcher kleinen Batterien werden täglich bei Varta Microbattery in Ellwangen produziert. Jede ist zwischen 3,6 und 5,4 Millimeter stark. Sie kommen in Hörgeräten zum Einsatz. „Wenn wir die zu einem Berg stapeln würden, könnten wir zweimal am Tag die Zugspitze schaffen“, erklärt Produktionsleiter Roland Frantz.

Das Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Herstellern und produziert als einziger wiederaufladbare Hörgerätebatterien. Die kleinen Kraftpakete sollen künftig noch besser werden. Denn die neu entwickelte Lithium-Ionen-Zelle kann 30 Prozent mehr Energie speichern als vergleichbare Produkte der Wettbewerber.

Unter den Produktneuheiten der 100 innovativsten Mittelständler (Top 100) wurde der Varta-Winzling zur „Innovation des Jahres“ gekürt.

Geschäftsführer Herbert Schein betont die wichtige strategische Bedeutung. Das hohe Innovationstempo schafft Varta, weil Entwicklung und Fertigung am Stammsitz in Ellwangen zusammengefasst sind. „Das komplette Know-how ist hier konzentriert“, sagt Varta-Chef Schein, „so kommen wir schneller voran.“ Die Nähe zur Produktion macht es möglich, neue Entwicklungen schnell umzusetzen, umgekehrt geben die Erfahrungen in der Herstellung wieder Impulse für die Entwickler.

Neue Fabrik geht bald in Betrieb

„Unsere Stärke ist die hohe Fertigungstiefe“, erklärt dazu Produktionsleiter Frantz. Das bedeutet: Von der Batteriezelle bis zur Verpackung macht Varta alles selbst.

Sogar Konstrukteure für die Maschinen und Werkzeugmacher sitzen im Haus. „Wir feilen ständig gemeinsam an Verbesserungen und holen damit noch das i-Tüpfelchen heraus“, beschreibt Frantz. Weil sich das bewährt hat, fließen mehr als 90 Prozent der Investitionen in den Standort Ellwangen, wo 540 der insgesamt 1.700 Mitarbeiter beschäftigt sind. Hier wird gerade auch die neue Fabrik für Hörgerätebatterien gebaut, die noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen wird.

Damit will Varta eine dreiviertel Milliarde Mini-Batterien jährlich produzieren. Frantz stapelt in Gedanken schon die Batterien zu einem Berg: „Damit schaffen wir jeden Tag den Mount Everest“, so hat er ausgerechnet.


 

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