Lohnfertigung als Geschäftsmodell

Ursa Chemie stellt 800 Produkte für andere Unternehmen her

Montabaur. Via Rohrpost landet eine Stichprobe bei Rüdiger Dung (45) im Labor. Der Qualitätsleiter macht sich sofort an die Arbeit, prüft den Stoff, notiert sich Messwerte. Alles muss schnell gehen. Bis er sein Okay gibt, steht die Produktion still. Die Kollegen warten schon, der Zeitplan ist eng.

Etwa 25 Produkte durchlaufen täglich die Kessel bei Ursa Chemie in Montabaur. Das Besondere: Welche Produkte das sind, steht erst wenige Wochen vorher fest. Das Unternehmen ist nämlich Lohnhersteller. „Wir fertigen kein einziges Produkt unter eigener Marke, sondern alle nur im Auftrag anderer Firmen“, erklärt Geschäftsführer Rainer Bloedhorn-Dausner.

Rund 800 aktuelle Rezepte für chemische und kosmetische Vor- und Zwischenprodukte hütet das Unternehmen derzeit für mehr als 100 Kunden aus 18 Industriebranchen – darunter viele Konzerne.

Die Palette reicht von Weichmachern für Kunststoffe über Zusätze für Reiniger, Desinfektionsmittel, Shampoos und Kosmetika bis hin zu Bremsflüssigkeiten für Automobile.

Mittlerweile lassen Kunden ihre Produkte im Westerwald nicht nur herstellen, sondern auch optimieren und entwickeln. „Wir sind Generalisten, keine Spezialisten“, beschreibt Bloedhorn-Dausner das Know-how und betont: „Das geht nur mit Fachkräften, die auf vielen Gebieten Erfahrungen haben.“

Deshalb setzt er alles daran, seine Mitarbeiter zu halten. Mit Erfolg: Die meisten der 55 Beschäftigten sind seit 10 Jahren im Betrieb, viele über 20 Jahre. 22 von ihnen haben bei Ursa Chemie schon ihre Ausbildung gemacht. „Ich selbst habe hier 1982 als Laborleiter angefangen, bei Produktnummer 32“, erinnert sich Bloedhorn-Dausner. Mittlerweile hat die Nummerierung die 3.000er-Marke geknackt.

Auch Rüdiger Dung ist der Firma schon lange treu – nächstes Jahr seit genau 30 Jahren. Er kennt fast alle Produkte und gut 500 Analyse-Verfahren; er hat es vom Chemielaboranten zur Führungskraft geschafft. „Kein Tag gleicht dem anderen. Das macht den Job hier so spannend“, sagt er.

Azubi Leon Böhm (18) schaut seinem Chef mit Begeisterung über die Schulter. „Nirgendwo sonst könnte ich so viel lernen“, sagt der angehende Chemielaborant. Deshalb will auch er unbedingt bleiben.


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