Eine Chance für Mehmet

Unternehmen geben Starthilfe bei der Ausbildung


Mühlheim/Stuttgart. Mehmet Can Karabeke zeichnet grüne oder blaue Punkte auf Getriebeteile, die auf dem Band ankommen. Grün bedeutet, das Teil ist tadellos und kann verpackt werden. Er arbeitet sorgfältig, denn er ist mitten in der Vorbereitung auf seine Abschlussprüfung zum Maschinen- und Anlagenführer – und die will er mit Bravour bestehen.

So zielstrebig ist er nicht immer gewesen. „Meine Noten in der Schule waren nicht so toll“, erzählt der 16-Jährige. Doch seit er seine Ausbildung bei dem Autozulieferer SKF in Mühlheim bei Tuttlingen begonnen hat, wurde aus dem schüchternen Jungen ein ehrgeiziger Azubi. Das bestätigt sein Ausbilder Gebhard Grießbaum: „Mehmet ist hier richtig aufgeblüht und bringt sehr gute Leistungen.“

„Von dem Projekt habe ich in der Schule erfahren“

Dabei war der ehemalige Hauptschüler erst ratlos, wie er an einen Ausbildungsplatz kommen sollte. Geschafft hat er es über das Projekt „M+E-Einstieg“. Damit unterstützt der Arbeitgeberverband Südwestmetall Jugendliche beim Übergang von der Schule in Lehrberufe der Metall- und Elektro-Industrie.

„Von dem Projekt habe ich an der Schule erfahren und gleich mitgemacht“, sagt Karabeke. Projektleiterin Christine Pergande vom Bildungsträger BBQ hat den jungen Mann unterstützt: Bei der Vorbereitung auf den Schulabschluss und bei den Bewerbungen. Seine Chance bekam Karabeke bei SKF für ein Vorbereitungsjahr auf Probe.

Während dieser Zeit werden Jugendliche wie er fit gemacht für die Ausbildung, mit Lehrgängen im Betrieb und Begleitung bei der Bewältigung des Schulstoffs. Pergande verlässt sich auf ihre Erfahrung und auf ihr Gespür, wenn sie Schulabgänger vermittelt: „Ich kann gut einschätzen, welcher Jugendliche in welchen Betrieb passt“, sagt sie.

Dass es passt, hat sich bei Karabeke schnell gezeigt. Mit Fleiß und Ausdauer schaffte er es nach dem Praktikum gleich ins zweite Ausbildungsjahr: Die Vorbereitungszeit wurde nachträglich als erstes Ausbildungsjahr anerkannt. Für Grießbaum ist der junge Mann mit den türkischen Wurzeln „ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein junger Mensch entwickeln kann“.

Wie Karabeke werden im Projekt M+E-Einstieg seit 2010 jedes Jahr 273 Jugendliche betreut. 95 Betriebe haben sich bisher beteiligt. Ziel ist es, möglichst alle interessierten jungen Menschen an Betriebe zu vermitteln. „Denn eine Ausbildung ist der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit“, sagt Johannes Krumme von Südwestmetall.

An der Bereitschaft der Betriebe mangelt es nicht. Im vergangenen Jahr haben die Südwestmetall-Mitgliedsunternehmen die Zahl der Ausbildungsplätze um 9 Prozent auf über 9.000 gesteigert. Was den Jugendlichen nützt, hilft auch den Firmen: Diese brauchen Nachwuchs, der angesichts des demografischen Wandels immer schwerer zu finden ist.

Bei SKF haben alle die gleichen Chancen

Unternehmen wie SKF steuern gegen. Im Werk Mühlheim, wo Teile für Lenksäulen und Antriebe für Lkws gefertigt werden, sind von 154 Mitarbeitern 15 Azubis. Für den M+E-Einstieg wurden drei zusätzliche Ausbildungsplätze eingerichtet. Auch der 17-jährige Fatgzim Ramizi kam so zu SKF. Er hat schon im Schulprojekt kräftig aufgeholt und seine Mathenoten verbessert. Deshalb konnte er das Praktikum überspringen und gleich im ersten Ausbildungsjahr beginnen. Auch das ist möglich. „Der M+E-Einstieg ist keine zweitklassige Ausbildung“, betont Grießbaum „alle haben die gleichen Chancen.“

Karabeke will sie nutzen: „Wenn ich im Sommer eine gute Abschlussprüfung schaffe, möchte ich danach noch ein Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker anschließen.“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang