Elektrotechnik

Unter Strom


Unser Übertragungsnetz muss verbessert werden – wie die Wirtschaft davon profitiert

Winterbach. Der Strom kommt aus der Steckdose. Aber bis er erst mal dort ist, hat er meist weite Wege zurückgelegt: Vom Kraftwerk geht’s über Hochspannungsleitungen zu Umspannwerken, von dort zu Ortsnetzstationen und dann über Verteilerschränke ins Haus. Um unser Stromnetz steht es allerdings nicht besonders gut: Laut Bundesnetzagentur besteht „ein erheblicher Investitionsbedarf“ (siehe unten „Unser Stromnetz“).

Davon profitieren Hersteller der entsprechenden Technik. Wie Pfisterer Kontaktsysteme aus Schwaben: An jeder „Kreuzung“ sorgen Kontakt-Elemente dafür, dass der Strom die richtige Kurve kriegt und weiterfließt – auf genau die hat sich das Unternehmen spezialisiert. Und macht ein ganz gutes Geschäft damit!

Die Nachfrage steigt. Weil nicht nur in Deutschland, sondern weltweit Stromnetze auf- und ausgebaut werden.

Neue Produkte erleichtern die Arbeit

Das Geschäft lief nicht immer so gut. Die Liberalisierung der Strommärkte kostete viele Arbeitsplätze in der Branche und stellte alle Zulieferer vor enorme wirtschaftliche Probleme. Ende der 90er-Jahre ließen die Umsätze auch bei Pfisterer zu wünschen übrig. „Um die Firma zu retten, mussten wir uns neu aufstellen und die Belegschaft von 550 auf 300 verringern“, erzählt Martin Schuster, Sprecher der Geschäftsführung. Das Unternehmen blieb seiner Produktsparte treu, investierte aber kräftig in Neuentwicklungen und optimierte die Produktionsabläufe.

Und kam damit wieder in die Erfolgsspur. Denn neue Produkte erleichterten den Anwendern die Arbeit. Bei der Hausanschlussklemme zum Beispiel muss der Installateur nur noch eine statt sechs Schrauben anziehen. Außerdem kann die Klemme gefahrlos unter Spannung montiert werden. Das gilt auch für „Connex“, ein vollisoliertes steckbares Anschluss-System für Hochspannungsnetze bis 245.000 Volt.

Hunger nach Strom nimmt zu

Mit den neuen Produkten reagierte Pfisterer auch auf geänderte Anforderungen: Freileitungen werden zunehmend von Erdleitungen abgelöst. Weil diese nicht so anfällig sind gegen Unwetter. In den aufstrebenden asiatischen Ländern werden neue Netze gleich in der Erde verlegt. Der weltweite Hunger nach Strom nimmt zu. Und damit auch der Hunger nach den kleinen, aber wichtigen Kontakt-Elementen.

Auch in Deutschland ist der Bedarf an Technik groß. Zum einen wegen des Nachholbedarfs bei Investitionen ins Stromnetz. Schuster: „Außerdem brauchen neue Kraftwerkformen wie die Windparks Leitungen, um den Strom zu transportieren.“

Das ist gut fürs Auftragsbuch bei Pfisterer – der Umsatz ist in den letzten vier Jahren um 26 Millionen auf 70 Millionen Euro gestiegen. Heute hat der Betrieb in Winterbach bei Stuttgart und Gussenstadt bei Heidenheim 360 Mitarbeiter, weltweit beschäftigt die Pfisterer-Gruppe 1.400 Leute. 

Joachim Sigel

 

Unser Stromnetz: Veraltet!

Das deutsche Stromnetz ist laut Bundesnetzagentur veraltet. Deshalb müssen die Netzbetreiber viel investieren: 2007 gaben sie über 1 Milliarde Euro aus – fast das Doppelte wie im Jahr 2003. Der Ausbau des Netzes sollte beschleunigt werden, mahnt die Netzagentur und warnt vor Versorgungs-Engpässen.

Der Bund der Energieverbraucher ist „außerordentlich beunruhigt“: Viele der Masten und Transformatoren seien offenbar am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt. Die Netzbetreiber planen zwar viele Ausbaumaßnahmen, allerdings ziehen sich die Genehmigungsverfahren zum Teil lange hin.   

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