Konjunktur

Unter Hochspannung für Kraftwerke


RWE, Vattenfall & Co. sorgen für Arbeit in Deutschland - wie beim Schwenkkran-Hersteller Vetter

Ein Verkehrsschild warnt vor Elchen. Das nahe Ufer der Ostsee ist mit Schilf überwuchert. Zwei Türme ragen in den Himmel. Sie gehören zu den   Atomkraftwerken „OL1“ und „OL2“. Und gleich nebenan wächst „OL3“ in die Höhe.

Auf der Insel Olkiluoto baut Finnland auf die Kernkraft: OL3 soll mit einer Leistung von 1.600 Megawatt gar der stärkste Atom-Meiler der Welt werden. Mehrmals hatte sich der Bau verzögert, im Jahr 2012 soll er endlich ans Netz gehen.

26 Schwenkkrane für Finnland

Einer der Lieferanten ist Vetter mit Sitz in Siegen. Das Unternehmen baut für die Finnen 26 Schwenkkrane, die Hälfte ist bereits fertig. Diese Krane sollen im Kraftwerk zu Wartungs- und Reparaturzwecken eingesetzt werden, An­triebe und Wellen von Turbinen bugsieren.

Vetter ist nicht irgendein Schwenkkran-Hersteller. Sondern der Marktführer. Zwar spürt auch er die Krise und hat die Arbeitszeit von 37 auf 35 Stunden die Woche bei entsprechend weniger Entgelt

verringert.

Doch der Auftrag aus dem Norden hilft, unter Strom zu bleiben. Andere Kunden bestellen  jetzt deutlich weniger, räumt der geschäftsführende Gesellschafter Klaus Theodor Vetter ein. Wie zum Beispiel Anlagenbauer. Die setzen die Krane ein, um Arbeitsplätze mit Material zu versorgen oder schwere Anlagen-Komponenten zu hieven. Vetter: „Da sind wir voll von der Konjunktur abhängig.“

Dass die Geschäfte mit der Energiebranche dagegen noch gut laufen, hat einen Grund: Planung und Bau eines neuen Kraftwerks dauern oft zehn Jahre und länger. Und wegen der aktuellen Krise ein Projekt stoppen, käme den Betreiber richtig teuer. Inzwischen produziert Vetter jeden zehnten Kran für Kraftwerke.

50 Ordner voller Unterlagen

Doch die Aufträge von RWE, Vattenfall & Co. haben es in sich. Beispiel Olkiluoto: Ob­wohl die Krane keiner Strahlung ausgesetzt sein werden, muss alles geprüft und zertifiziert sein – von der einzelnen Schraube bis  zu den vier Motoren. Welche Materialien wurden verwendet? Wie dick ist die Lackschicht? Wer hat geliefert?

Der Finnland-Auftrag füllt  fast 50 Ordner – mit Vorschriften, Zeichnungen, Übersetzungen. „Wir haben da rund 2.000 Stunden an Verwaltungsarbeit reingesteckt“, so Volker Enders, Leiter der Qualitätssicherung.

Als die Firma im Juni 2008  begann, den Auftrag abzuarbeiten, kamen den ganzen Sommer über jede Woche sechs Experten aus Finnland angereist, um Vetter über die Schulter zu schauen. „Und von uns waren noch mal acht Leute von der Partie“, so Enders. „Ein irrer Aufwand.“

Gut für seinen Arbeitgeber, auch wenn das zynisch klingen mag. Vetter: „Bis sich da ein Konkurrent reingefuchst hat, ist bei uns der Auftrag längst raus. Dafür braucht man sehr viel Erfahrung.“

Wilfried Hennes

Info: Vetter-Gruppe

Die Firmengruppe mit Sitz in Siegen ist zu 100 Prozent in Familienbesitz und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Sie besteht aus drei Unternehmen: Das erste produziert Krane und Lastwendegeräte, das zweite ist für den Kundendienst zuständig und das dritte fertigt Zinken für Gabelstapler. Im hessischen Haiger direkt an der Grenze zu NRW hat der Hersteller das modernste Kranwerk Europas. 40 Prozent der Vetter-Erzeugnisse gehen in den Export.

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