Export

Unter Hochspannung für die Kohle


Bochumer Betrieb baut Motoren für Bergwerksmaschinen

Wieder geht im Revier ein Stück Industriegeschichte dem En-de entgegen. Das Bergwerk Ost in Hamm startet jetzt seinen letzten Abbau. Ab Mitte März sollen eine halbe Million Tonnen Kohle aus fast anderthalb Kilometer Tiefe zu Tage gefördert werden, bevor das Bergwerk Ende September schließt. Ab dann wird das schwarze Gold an Rhein und Ruhr nur noch an vier Standorten aus der Erde geholt.

Deutsche Zechen machen dicht, doch der heimischen Bergbautechnik-Industrie geht die Arbeit nicht aus. Längst haben sich die Hersteller neue Absatz-Märkte erschlossen, wie das Beispiel Breuer-Motoren zeigt.

7,5 Tonnen schwer, 1.360 PS stark

Heiko Grimmke, einer von 115 Mitarbeitern des Familienunternehmens, montiert Komponenten für eine Leistungselektronik. Sie soll einen bärenstarken Motor steuern. Verpackt in einem sogenannten Umrichter, der eine ganz feine Dosierung der Kraftentfaltung erst möglich macht. Der 7,5 Tonnen schwere Motor hat 1.360 PS. Genug Power, um einen Kohleförderer in Gang zu setzen. Weit weg von Bochum. In einer Zeche in China.

Neun von zehn Motoren gehen inzwischen ins Ausland. Direkt. Oder über einen Umweg. Indem sie, eingebaut in deutsche Kohleabbau-Maschinen, die Reise über die Grenze antreten. Die Technik aus Bochum kommt nicht nur an Strebförderern zum Einsatz, sondern auch in Pumpenstationen und Walzenladern. Zudem in Anlagen, die die Kohle aus dem Gestein hobeln.

Die Breuer-Motoren arbeiten vor allem in China, Russland und Südafrika. Also in Ländern, die zu den bedeutendsten Kohleförderern gehören. Und wo der Rohstoff in aller Regel nur hundert Meter unter der Erde liegt.

Ganz im Gegensatz zu Deutschland: Hier graben sich die Flöze bis zu 1.600 Meter unter Städte und Dörfer. Ein Grund dafür, dass unsere Kohle international nicht mehr wettbewerbsfähig ist und deshalb vom Staat mit Milliarden-Summen subventioniert wird.

Die extremen geologischen und klimatischen Bedingungen so tief unter Tage stellen hohe Anforderungen an die Abbaumaschinen. Und da hat sich die deutsche Bergbautechnik bewährt, was ihren guten Ruf begründet. „Davon profitieren natürlich auch wir“, so Geschäftsführer und Inhaber Dirk Linnepe.

Dennoch hat sich der Erfolg nicht von selbst eingestellt. Das Unternehmen hatte noch bis Ende der 80er-Jahre fast ausschließlich Motoren für deutsche Bergwerke produziert. Das Zechensterben erforderte eine neue Strategie. Die Firma begann, ihren Export auf Touren zu bringen. Und ging auch ganz neue Zielgruppen an.

Auch Motoren für die Ölförderung

Georg Kuhlhoff und Marcel Wißmann wickeln einen Elektro-Motor. 280 Kilo Kupfer packen sie da rein. Bald wird der Motor auf einer Plattform auf hoher See Öl aus den Tiefen des Meeres nach oben pumpen. Eine Halle weiter kontrollieren drei Mitar- beiter einen Motor für einen Hubschrauber-Prüfstand.

Vor zwei Jahren lieferte Breuer knapp 120 Antriebseinheiten mit Umrichtern für Container-Fahrzeuge, sogenannte Straddle Carrier. Das sind gewaltige Maschinen auf acht Rädern, die Fracht gleich stapelweise im Hafen bugsieren. Im letzten Jahr brach dieses Geschäft nahezu komplett weg, auch die großen Umschlagplätze spürten die Krise und sparten bei den Investitionen. Die Folge: spürbar weniger Umsatz für Breuer. Der ging um insgesamt 15 Prozent  zurück.

Linnepe ist froh, dass sein Unternehmen nach wie vor gut vom traditionellen Bergbau lebt, der steuert immer noch über 60 Prozent zum Umsatz bei: „Das hat uns herausgerissen. Sonst wäre das Minus dicker ausgefallen.“


Info: Deutsche Bergbautechnik

Die deutsche Bergbaumaschinen-Industrie (inklusive Zulieferer) setzte 2009 rund 4 Milliarden Euro um, so vorläufige Berechnungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. 86 Prozent steuerte der Export bei. 14.500 Menschen arbeiten in den Unternehmen der Bergbautechnik.

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