Mittelstand

Unter Dampf im eigenen Betrieb


Mitarbeiter gaben Kapitalspritze – jetzt ist ihre Firma wieder auf Erfolgskurs

Iserlohn. Susanne Meyer hat gut lachen. Die Sachbearbeiterin vom technischen Vertrieb arbeitet im eigenen Unternehmen, bei Schütte Industrie Service. Zum 50sten Geburtstag hat sie die 15-köpfige Belegschaft zum Buffet eingeladen. Doch vor zwei Jahren war die Mannschaft alles andere als in Feier-Stimmung.

Damals stand das Unternehmen vor der Pleite, die Schließung drohte. Grund: ein geplatzter Kredit. Da taten sich Susanne Meyer  und vier weitere Mitarbeiter mit Geschäftsführer Axel Schütte zusammen, gaben dem Unternehmen eine Finanzspritze – und wurden so zu Mit-Gesellschaftern.

Firma schüttet Dividende aus

Das meiste schoss Schütte zu, dem auch noch eine Gießerei gehört, aus der einst die Industrie-Service-Firma  hervorgegangen war.

Heute steht sie wieder gut da, setzt 2007 rund 3 Millionen Euro  um,  schüttet  an  die  Gesellschafter eine Dividende aus – und  setzt  auf  kräftiges Wachstum. „Beim Umsatz wollen wir 2008 und 2009 um jeweils 20 Prozent zulegen“, gibt Schütte die Richtung vor. „Zu einem Drittel sind die Auftragsbücher schon gefüllt.“

Sein Flaggschiff ist der mobile Großsauger „Lionair“. Das rote Ding  sieht aus wie ein Container mit  einem riesigen Trichter. Über 8.000 Kubikmeter Stickstoff oder Luft inhaliert das Gerät pro Stunde.  Es ist 40-mal so stark wie ein gewöhnlicher Industriestaubsauger.

Unter der schallgedämpften Blechhaut des Löwen brüllt ein 320 PS starker Diesel. Der schlürft pro Stunde locker 20 Tonnen Chemieschlamm, Ruß oder Staub weg. Preis: um die 200.000 Euro. Zu den Kunden zählen Kraftwerke, außerdem ordern große Industrie- und Umweltservice-Unternehmen den Sauger.  Selbst mit giftigen und brennbaren Materialien wird der „Lionair“ fertig.

1.000 Grad sind kein Problem

Bekannt und groß geworden ist der Hersteller allerdings durch ein ganz anderes Produkt: den Schütte-Schieber. Das ist eine Art Hahn im Rohr für alles, was strömt, fließt oder rieselt.

Er hält auch bei extremem Druck dicht. Ob sibirische Temperaturen oder Bullenhitze – ein Schütte-Schieber funktioniert auch bei 1.000 Grad einwandfrei. Klack – und das Teil macht zu: schneller

als ein Sekundenzeiger sich bewegen kann.

Schlosser Joachim Fuchs baut so einen Schieber zusammen. Der Metaller bekommt für seine Arbeit nicht nur Lohn überwiesen, sondern einmal im Jahr auch eine Erfolgsbeteiligung. Schließlich ist auch Fuchs Gesellschafter: „So habe ich meinen Arbeitsplatz gesichert. Und ein höherer Einsatz lohnt sich jetzt noch mehr. “ 

Christoph Overkott

 

Info: Schütte Industrie Service GmbH

Das Unternehmen in Iserlohn beschäftigt 15 Mitarbeiter und setzte im letzten Jahr  3 Millionen Euro um. Zu 80 Prozent beliefert die Firma den deutschen Markt. Sie gehört zur Schütte-Gruppe, ebenso wie die Iserlohner Gießerei Schütte, Meyer + Co. Außerdem zählen noch zwei Betriebe in Indien dazu. Insgesamt hat die Gruppe mehr als 500 Mitarbeiter bei rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz.

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