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Unsichtbare Helfer gegen Lacknasen & Co.


Münzing Chemie: Ausgeklügelte Zusätze für makellose Oberflächen

Heilbronn. Blasen, Riefen, Kratzer oder gar Tropfnasen auf der frisch lackierten Oberfläche? Das geht gar nicht! Deshalb sorgen spezielle Zusatzstoffe vom Additiv-Hersteller Münzing Chemie in Heilbronn (100 Mitarbeiter am Standort) für gute Verarbeitung und Haltbarkeit von Farben, Lacken und Lasuren.

Entschäumer lassen Bläschen platzen

Neben Pigmenten, Binde- und Lösungsmittel enthalten Farben Additive als „unsichtbare Helfer“: „Sie tragen dazu bei, dass sich einzelne Bestandteile nicht voneinander trennen und die Farbe nicht tropft“, erklärt Vertriebsleiter Jürgen Bauer.

So haftet die Beschichtung fest auf dem Untergrund und bildet im getrockneten Zustand eine makellose Oberfläche. Beispiele:

In Farben und Lacken müssen sich nicht mischbare Flüssigkeiten wie Wasser und Öl verbinden. Das schaffen Tenside, denn sie bestehen aus einem hydrophoben (wasserabweisenden) und einem hydrophilen (wasserliebenden) Molekülteil. Der Nachteil: Tenside lassen Flüssigkeiten schnell schäumen. Das ist ein Problem bei der Farben-Abfüllung. Schließlich soll nur Lack in die Dose, keine Luft. Auch beim Verarbeiten stört der Schaum. Die Blasen platzen beim Trocknen, die Lackschicht zeigt sichtbare Fehlstellen („Nadelstiche“).

Hier helfen Entschäumer, die Chemielaborantin Marion Herzog testet. Dazu gibt sie wenige Tropfen in ein Glas mit einer schäumenden Flüssigkeit. Die blasige Masse fällt sofort zusammen: „Wir stellen Entschäumer auf Basis von Mineralölen, Glykolen und Silikonverbindungen her“, erklärt die junge Frau. „Sie dringen in Schaumbläschen ein und zerstören sie.“ Entschäumer stecken auch in Putz, Klebstoff oder Mörtel.

Dispersionsfarbe, etwa  für die Wand, beinhaltet fein vermahlene Pigmente (weißes Titandioxid). Ohne „Helfer“ verteilen sich die Pigmente nicht fein genug in der Farbe und setzen sich ab.

Also kommen Dispergiermittel zum Einsatz: „Sie wirken wie Abstandshalter zwischen den Pigmentkörnchen“, sagt Vertriebsprofi Bauer, „und stabilisieren so die Mischung.“ Ergebnis: Die Pigmente bleiben gleichmäßig verteilt.

Soll die Beschichtung zähflüssig und dick oder flüssig wie Wasser sein? Das lässt sich ebenfalls über Zusätze regeln. „Mit Additiven stellen wir die Viskosität von Lacken, Klebstoffen und Druckfarben ein“, erklärt Chemielaborant Patric Jakima. Das Zauberwort dabei heißt „Rheologie-Modifizierer“.

Feste oder zerlaufende Tropfen

Rheologie beschreibt die Fließeigenschaften von Stoffen. Jakima prüft sie mit bunten Farbkarten: Er trägt Lack in unterschiedlichen Stärken auf und hängt sie sofort senkrecht auf. „Ab einer bestimmten Schichtdicke beginnt der Lack zu fließen“, erklärt er. Es bilden sich Lacknasen.

Mit synthetischen Verdickern lässt sich das Fließverhalten einstellen. Das wirkt sich auf die Streichfähigkeit des Lackes aus – und damit auch auf den Glanz, das Deckvermögen, die Scheuer- und Wasser-Beständigkeit.

Additive können zudem die Oberflächenspannung verändern, etwa bei Wasser oder bei wasserbasierenden Lacken. Hier ist die Spannung hoch – darum bleiben Wasser- oder Lacktropfen auf einer Kunststoff-Oberfläche stehen. Was nicht immer erwünscht ist.

Bauer: „Gibt man ein Netzmittel zu, setzt das die Oberflächenspannung herab. Wassertropfen oder Lack zerfließen und benetzen den  Kunststoff schön gleichmäßig.“


 

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