Familie und Beruf

… und Sohnemann spielt neben dem Schreibtisch


Veritas bietet Eltern-Kind-Zimmer – Meteor erhält Familien-Zertifikat

Gelnhausen / Bockenem. Der fünfjährige Philipp  ist begeistert: Ein riesiges Spielzimmer mit ausziehbarer Couch. Tisch, Stühle und jede Menge Spiele. Für die gute Stimmung sorgt der Kassettenrekorder, den er sich von zu Hause mitgebracht hat. Gleich nebenan sitzt Mama am Schreibtisch.

„Ich kann in Ruhe arbeiten, während er alles ausprobiert und mit seinen mitgebrachten Sachen spielt“, erzählt Silke Sladek. Eigentlich ist ihr Arbeitsplatz in der Logistik-Abteilung. Doch in einem Notfall arbeitet sie am Computer im Eltern-Kind-Zimmer.

Willkommene Hilfe

Die Veritas AG in Gelnhausen hat es eingerichtet. Das Konzept ist einfach: Mütter oder Väter, deren Kind erkrankt ist, können es mit zur Arbeit bringen.

Veritas ist ein traditionsreiches und modernes Familienunternehmen mit Konzernsitz in Gelnhausen (Hessen). Der Automobil-Zulieferer arbeitet weltweit und ist mit rund 3.000 Beschäftigten in sieben Ländern präsent.

Wer kennt das nicht? GrippeViren, Magen-Darm-Infekte, Erkältungen – die meisten Eltern können ein Lied davon singen. Was aber, wenn das Kind noch nicht ganz fit und die familiären Betreuungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind? „Das hier ist eine ideale Hilfe für mich“, sagt Silke Sladek. Störende Spielgeräusche? Laute Musik? „Kein Problem, sogar eine Besprechung von anderthalb Stunden ist problemlos möglich.“

Auch für die Meteor Gummiwerke in Bockenem bleibt Familienfreundlichkeit trotz der aktuellen Krise ein wichtiges Thema. „Es profitieren beide Seiten davon, Unternehmensleitung und Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Dieter Lemke. „So können wir Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen binden.“

Zum weiteren Ausbau verpflichtet

Dank der Zusammenarbeit mit seinen Partnern hat sich Meteor zu einem führenden Hersteller von Elastomer-Dichtungen mit heute rund 2.000 Mitarbeitern weltweit entwickelt.

Der Automobil-Zulieferer Meteor hat kürzlich von Familienministerin Ursula von der Leyen und Staatssekretärin Dagmar Wöhrl ein Zertifikat für familienbewusste Personalpolitik erhalten.

Damit haben sich die Meteor Gummiwerke dazu verpflichtet, diese weiter auszubauen. Bei Meteor gehören zum Familienbewusstsein beispielsweise Wiedereinstiegsprogramme, um an Weiterbildungsseminaren teilzunehmen, Unterstützung zum Thema Sucht oder ein Service für Familien, die pflegebedürftige Angehörige betreuen.

Für Philipp hat sich der Tag im Eltern-Kind-Zimmer bei Veritas übrigens gelohnt: Mittags gab es Nudeln aus der Kantine. Die hat er sich mit seiner Mutter schmecken lassen.

Werner Fricke

 

„Wenn der Chef überzeugt ist, dann läuft es“

Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte

Hannover. Dass sich Familienfreundlichkeit auch betriebswirtschaftlich für die Arbeitgeber  lohnt,  ist  nach Ansicht von Experten das beste Argument, andere Betriebe zu überzeugen.

„Das Thema gewinnt an Gewicht, weil immer mehr Unternehmen erkannt haben, dass sie im Wettbewerb um Fachkräfte attraktiv sein müssen“, sagt Sofie Geisel vom Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“.

Mittlerweile hat das Netzwerk 1.503 Mitgliedsunternehmen, die sich über ihre Konzepte austauschen. „Aber wenn der Chef überzeugt ist, dann läuft es.“

Interessant: 84 Prozent der berufstätigen Frauen kehren nach einer Auszeit problemlos ins Berufsleben zurück – so eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Personaldienstleisters DIS AG bei 103 kleinen und mittleren Unternehmen sowie 502 weiblichen Angestellten.

Als Grund für die Unterbrechung ihrer Erwerbstätigkeit gab über die Hälfte der befragten Frauen „mehr Zeit für die Familie“ an: 59 Prozent nahmen entweder Eltern- oder Pflegezeit. Die durchschnittliche Dauer betrug dabei rund 19 Monate.

Die Unternehmen schätzen vor allem die Flexibilität der Mütter und ihre hohe Motivation.

WF

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