Weiterbildung

„Und mehr Geld gibt's auch“


Dazulernen ist wichtiger denn je - das Wissen wird für den nächsten Aufschwung dringend gebraucht

Boris Saizev ist 56, stammt aus Russland und hat Schweißer gelernt. Doch seine in der Heimat erlernten Fertigkeiten werden hierzulande nicht anerkannt. Trotzdem kam er unter – bei der Maschinenbaufirma Karp in Niederkassel bei Bonn. Die braucht dringend Schweißer. Und gibt auch solchen eine Chance, die in ihrem Fach zwar nicht auf dem neuesten Stand, aber bereit sind, dazuzulernen. Wie eben Boris Saizev.

Der Familienbetrieb (60 Mitarbeiter) produziert Getriebeteile für Windkraftanlagen ebenso wie Komponenten für Getränke-Abfüllanlagen. Dabei nutzt die Firma 20 verschiedene Schweißtechniken. Qualifizierte Schweißer zu bekommen ist aber laut Geschäftsführerin Margit Antosch „ein Riesenproblem“. Also gab sie Saizev eine Chance.

In einem achtwöchigen Kurs eignete er sich zusätzliche Kenntnisse an – und kann jetzt viel flexibler eingesetzt werden. Mit ihm gingen zwei weitere Schweißer-Kollegen auf Fortbildung.

 

Finanziert wurde der Lehrgang durch die Bundesagentur für Arbeit: Das Programm „Wegebau“ eröffnet älteren und geringqualifizierten Arbeitnehmern neue Perspektiven im Berufsleben.

Mehr als 60.000 Arbeitnehmer machten im vergangenen Jahr mit. Insgesamt gab die Bundesagentur dafür 167 Millionen Euro aus.

 

 

Fachkräftemangel bleibt ein Thema

Dazulernen ist wichtiger denn je – aus zwei Gründen: Einfache Jobs  werden wegrationalisiert oder ins Ausland verlagert. Und das zusätzliche Wissen wird für den nächsten Aufschwung dringend gebraucht.

Deshalb engagieren sich die Betriebe so stark. Krise hin, Krise her: Der Fachkräftemangel bleibt ein Thema. Deshalb wäre es falsch, an der  Weiterbildung zu sparen. Die lassen sich die Betriebe einiges kosten: 27 Milliarden Euro jährlich, im Schnitt 1.053 Euro je Mitarbeiter (siehe Grafik).

Beispiel: Rohde&Schwarz in Teisnach (Bayerischer Wald). Das Werk, in dem 1.100 Mitarbeiter elektromechanische Baugruppen, Systeme und Ge-räte herstellen, setzt trotz Konjunkturschwäche sein Programm „Q100“ fort. Was sich hinter dieser Abkürzung verbirgt, erklärt Andreas Piening, Leiter des Personalmanagements: „Wir wollen 100 un- und angelernte Kräfte auf das Qualifikationsniveau von Facharbeitern bringen.“

Selbstbewusster und motivierter

Damit kann das Unternehmen nicht nur einen Mangel an gut Ausgebildeten verhindern: „Sich zu qualifizieren und danach mit einer anspruchsvolleren Tätigkeit mehr zu verdienen, ist auch Wunsch unserer Mitarbeiter.“ Neun von ihnen sind gerade dabei, sich zum Maschinen- und Anlagenführer weiterzubilden: sechs Stammkräfte und drei Zeitarbeiter. Im Mai steht der Abschluss an. Wer besteht, darf künftig Produktionsanlagen bedienen.

Der neue Job mit mehr Verantwortung stärkt das Selbstbewusstsein – und erhöht die Motivation. Der Schweißer Boris Saizev sieht das Ganze eher pragmatisch: „Jetzt verdiene ich 10 Prozent mehr.“

Wilfried Hennes, Joachim Herr

 

 

„Büffeln“ extrem – Studieren ohne Abi

 

Lehre gut geschafft, viele Jahre im Betrieb als Fachkraft – und dann der Wunsch, etwas völlig Neues zu wagen. Zum Beispiel Studieren. Doch geht das auch ohne Abitur? Ja. Freilich gibt es da in den Bundesländern die unterschiedlichsten Regelungen, sodass kaum einer durchblickt. So dürfen zum Beispiel in Hessen und Niedersachsen Meister ohne Abi an die Uni – und das ohne Prüfung und Probezeit. Bald ist mit diesem Durcheinander Schluss: Jüngst haben die Länder beschlossen, den Zugang zu vereinheitlichen. Sie werden das voraussichtlich noch in diesem Jahr umsetzen.

Infos: www.ausbildungplus.de

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