Schutzbekleidung

Unauffällige Lebensretter


Kugelsichere Westen aus Aramid-Fasern: Krefelder Unternehmen testet mit scharfen Schüssen

Gefährliche Jobs möglichst sicher zu machen – dieser ganz speziellen Aufgabe stellen sich einige deutsche Textilfirmen. AKTIV präsentiert Beispiele.

Krefeld. Willi Opitz hat vermutlich den ungewöhnlichsten Arbeitsplatz in der Textilbranche. Sein Einsatzort: ein Schießstand. Seine Aufgabe: Kugelsichere Westen auf einem Dummy unter Feuer zu nehmen. Sein Material: Patronen, die er selbst gefüllt hat. Dabei nimmt er mehr Pulver als üblich – damit die Schüsse schneller werden als normal und die echten Träger der Westen später auf der sicheren Seite sind.

Opitz ist Leiter des Beschuss-labors der Verseidag Ballistic Protection GmbH. Diese Krefelder Tochterfirma der Gamma-Holding gibt es erst seit 2006, Know-how in Sachen Kugelschutz haben Verseidag-Mitarbeiter aber schon seit zwei Jahrzehnten gesammelt.

Kugeln bleiben stecken

„Wir haben zudem eine finnische Firma übernommen und in den USA ein Tochterunternehmen gegründet – damit gehören wir zu den großen Anbietern weltweit“, erklärt Fred Tijink, Verkaufsleiter Personenschutz.

Seine Kunden sind zu 90 Prozent Behörden aus aller Herren Länder, von der Bundeswehr über britische Polizeikräfte bis zum französischen Zoll. „Den haben wir gerade komplett mit Unterziehwesten ausgerüstet“, sagt Tijink. Diese Schutzkleidung wird unter dem Hemd oder der Jacke getragen und ist auf den ersten Blick nicht zu sehen.

Was selbst solche unauffälligen Westen aushalten, zeigt sich im Beschusslabor: Opitz hält eine 9-Millimeter-Pistole direkt an die Weste, drückt ab. „Kontaktschuss“, erklärt er.  Ein Mensch in der Weste hätte jetzt Prellungen zu verkraften, eventuell auch gebrochene Rippen – aber er hätte kein Loch im Bauch. Opitz pult das Geschoss aus der Weste: Es ist stecken geblieben.

Und zwar in einem speziellen Gewebe, das Verseidag selbst fertigt, zum Beispiel aus Aramid-Fasern. Die sind extrem reißfähig, sehr  hitze-beständig, und sie verteilen die Aufschlagenergie so rasant auf den gesamten Stoff, dass die Kugel nicht durchkommt.  Selbst das wuchtige Geschoss einer Pumpgun kann eine Weste aus wenigen Metern Entfernung  abfangen.

Ständig neue Produkte

Soldaten bekommen noch besseren Schutz, durch Keramik-Platten, die in die Schutzweste eingesteckt werden. Verseidag hat auch etliche Spezialanfertigungen im Programm, etwa für Minen-Entschärfer. Und laufend tüfteln Design-Abteilung und Pilot-Produktion in Krefeld an neuen  Produkten.

 

Silberne Fäden gegen gefährliche Keime

Niemöller & Abel präsentiert die „Zukunft für den Rettungsdienst“

Gütersloh. Echte Silberfäden in der Hose, echte Silberfäden in der Jacke – wer braucht denn so was? Zum Beispiel jeder Notarzt und jeder Sanitäter, meint Claas Niemöller, Chef des traditionsreichen Schutzkleidungsherstellers Niemöller & Abel. Denn die silbernen Fäden tö-ten gefährliche Keime in kurzer Zeit fast vollständig ab. Niemöller ist sicher: „Das neue Gewebe ist die Zukunft für den Rettungsdienst.“

Geliefert wird dieser Stoff vom britischen Polyesterweber Toray Textiles Europe. „Niemöller & Abel ist der erste große Kunde in Deutschland“, erklärt Toray-Verkaufsagent Olaf Walbergs. Dass Niemöller so schnell zugriff, liegt daran, dass die Gütersloher Firma als deutscher Marktführer die Sorgen und Nöte der Kundschaft genau kennt – etwa die Gefährdung durch antibiotika-resistente Erreger.

Ein paar Euro mehr pro Jacke

Die Infektionsgefahr für Retter zu verringern, und das für ein paar Euro mehr pro Jacke – das kommt an: „Das Feedback bestätigt, dass der Markt schon lange darauf gewartet hat“, freut sich Niemöller, „sehr viele  Kunden machen gerade Trage- und Waschversuche.“

Nun ist es an sich eine uralte Weisheit, dass Silber Mikroben vernichtet. Schon in der Antike half das Edelmetall, Trinkwasser sauber zu halten. Trevira setzt schon seit Jahren auf unsichtbare SilberIonen im Textil.

Der neue Toray-Stoff killt die Keime laut Niemöller aber nicht nur schneller – er hat auch einen psychologischen Vorteil: Wer ihn trägt, kann das eingewebte schützende Silber mit bloßem Auge sehen. Das Gewebe heißt denn auch „See it SAFE“.

„Der antimikrobielle Wirkstoff ist für die Lebensdauer des Produktes aktiv“, verspricht Toray. Mitarbeiter des Forschungsinstitutes für Textil und Bekleidung der Hochschule Niederrhein wollen Wirkungsweise und Wirksamkeit des Gewebes nun wissenschaftlich belegen.

Niemöller, der in Deutschland und Polen je rund 30 Menschen Arbeit gibt, rechnet jedenfalls schon damit, dass Kleidung aus antibakteriellem Material für bestimmte Berufe bald vorgeschrieben wird:  „Das ist noch nicht in den Normen, aber das wird kommen.“

 

Reflektierende Bänder

Wuppertal. Sanitäter, die nachts zum Einsatz eilen, verschwenden keine Gedanken an die leuchtenden Streifen, die ihren Weg durchs Dunkel zeigen. Dass ihre Kleidung mit reflektierenden Bändern bestückt ist, ist für sie selbstverständlich. Ob sie aber ahnen, dass diese Bänder auch flammhemmend sind?

Unter anderem mit solchen Spezialitäten kann die Wuppertaler Otto Weber Band-GmbH dienen. „Das Geschäftsfeld Arbeitsschutz hat eine immer größere Bedeutung für uns“, betont Geschäftsführer Lutz Weber. Der Kunde könne diverse technische Parameter der gewebten Ware vorgeben – dadurch hebe man sich ab von der „Massenware aus Fernost“.

Die gut 20 Mitarbeiter der Firma am Standort Wuppertal müssen sich keine Sorgen um ihre Jobs machen: „Die Geschäftsentwicklung ist erfreulich, der Exportanteil steigt jährlich“, betont Weber. Prima Stimmung also vor dem Jubiläum: 2008 wird das Familienunternehmen 75 Jahre alt.

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