Freudenberg Sealing Technologies schafft Kraftakt

Umzug während der Produktion

Berlin. Blitzblank ist die riesige Maschinenhalle, die Wände in den Büros strahlen weiß, selbst der Fußweg vorm Werk wirkt jungfräulich. So sieht ein Traditionsbetrieb aus. Wenn er gerade umgezogen ist.

„Wie ein Reifenwechsel bei Tempo 200“

Der Teilkonzern Freudenberg Sealing Technologies (Spezialdichtungsprodukte) fertigt jetzt nicht mehr in Berlin-Friedrichshain, sondern an einem komplett neu errichteten, 11.000 Quadratmeter großen Standort in Berlin-Adlershof. Berlin als „Lead Center“ für diese Produktgruppe arbeitet innerhalb des Freudenberg-Konzerns (weltweit über 34.000 Mitarbeiter und 5 Milliarden Euro Umsatz) selbstständig. In den letzten Jahren hat sich der Umsatz auf 40 Millionen Euro verdoppelt.

Offizieller Start in Adlershof war im Oktober 2011 – de facto wurde schon gefertigt, kaum dass im Frühsommer die erste Maschine stand.„Wir sind bei laufender Produktion umgezogen“, sagt der Leiter des Lead Centers Wolfgang Schachermayr. Er skizziert den enormen logistischen Aufwand mit einem drastischen Bild: „Das ist wie ein Reifenwechsel bei Tempo 200.“

Ohne die Produkte des Werks kommt kein Auto aus: Achsmanschetten aus thermoplastischen Elastomeren und Gummi-Dichtungsbälge, die Gelenke in Antriebswellen und in Fahrwerk und Lenkung vor äußeren Einflüssen wie Schmutz, Spritzwasser und Steinschlag schützen. Und dafür sorgen, dass Schmierfett bleibt, wo es hingehört.

Das Werk beschäftigt 200 Mitarbeiter und produziert rund um die Uhr – pro Jahr etwa 55  Millionen Dichtungsbälge und 35 Millionen Achsmanschetten. Geliefert wird an viele europäische Auto-Hersteller und Zulieferer, aber auch nach China, Brasilien und in die USA. In Berlin werden auch, in sehr enger Abstimmung mit den Kunden, neue und verbesserte Produkte entwickelt.

Ursprünglich wollte man am alten Standort für die Dauer des Umzugs vorproduzieren – doch der Boom der Auto-Industrie nach der großen Krise machte eine flexible Lösung nötig: „Wir haben Maschinen in Friedrichshain aus der Produktion herausgelöst, hier in Adlershof aufgebaut und weiter fertigen lassen“, berichtet Schachermayr. Zugleich gingen neue Maschinen in Betrieb.

Sparsamer Umgang mit Energie

Das neue, nah an Autobahn und Flughafen gelegene Werk ist streng nach Produktionsfluss konzipiert. Und sehr energieeffizient: dank Wärmerückgewinnung, einer thermisch aktivierten Bodenplatte als Wärme- und Kältespeicher und Dachbegrünung.

Personalchef Wolfgang Kramer ist froh, dass alle Mitarbeiter den Umzug mitgemacht haben – trotz zum Teil längerer Arbeitswege. „Es wäre schwierig geworden, unsere hochqualifizierten Fachleute mit großer Berufserfahrung kurzfristig adäquat zu ersetzen.“ In puncto Nachwuchskräfte ist er zuversichtlich: In der neuen Fabrik werde es leichterfallen, Ingenieure, Konstrukteure für einen Job oder junge Leute für eine Lehre zum Industriemechaniker oder Werkzeugmacher zu begeistern.


Artikelfunktionen


'' Zum Anfang