Entwicklung

Umweltschutz? Aber natürlich!


Raumkühlung, Schilf-Kläranlage und Photovoltaik: Weleda setzt auf Alternativen

Seit drei Jahren gibt es Weleda-Babyöl in Plastik-Flaschen. Ist das umweltfreundlich?

„Der Kunststoff PET hat eine bessere Umweltbilanz als Glasverpackungen“, sagt Holger Biller. Er leitet das Nachhaltigkeitsmanagement in der deutschen Niederlassung des Naturkosmetik- und Pharmaherstellers Weleda in Schwäbisch Gmünd.

„PET ist leicht und verbraucht beim Transport weniger Energie“, so der Experte. Früher waren die Glasflaschen zum Schutz zusätzlich in Pappschachteln verpackt. Biller: „PET ist bruchfest, da brauchen wir diese Kartons nicht mehr.“

Ein Teich für feuchte Luft

Biller hält im Unternehmen die Augen offen. Ihm entgeht nichts: Einen Heizkörper, der trotz warmem Frühlingswetter noch angestellt ist, dreht er im Vorbeigehen ab.

Die Belüftung des Verwaltungsgebäudes erfolgt über eine Natur-Klima-Anlage. Die funktioniert fast ohne Strom: Kamine auf dem Dach und ein Rohrsystem im Inneren des Gebäudes erzeugen einen Sog, der frische Luft vom Innenhof ansaugt. Diese wird durch das Erdreich geleitet, kühlt dort ab und verteilt sich über Kanäle und Öffnungen an den Zimmerdecken im Inneren. Strom braucht man bei dieser Klima-Anlage nur, um Lüftungsschlitze zu öffnen oder zu schließen – die Luftzirkulation funktioniert allein über den Sog.

Für eine angenehme Luftfeuchtigkeit sorgen drei Wasserwände und ein Teich im Eingangsbereich. Zu Weleda gehört auch ein Heilpflanzengarten. Auf einer Anhöhe über Schwäbisch Gmünd wachsen auf 23 Hektar rund 260 Pflanzenarten. Ausschließlich in biologisch-dynamischem Anbau.

Vom Abwasser zum Trinkwasser

Aus den Heilpflanzen stellt das Unternehmen Tinkturen und Öl-Auszüge her. Auf dem Dach des Produktionsgebäudes erzeugt eine Photovoltaik-Anlage aus Sonnenlicht innerhalb eines Jahres mehr als 30.000 Kilowattstunden Strom.

Die Bewässerung des Gartens erfolgt mithilfe einer Zisterne. Die fasst 200.000 Liter Regenwasser. Selbst für das Abwasser gibt es eine ökologische Lösung: eine Schilf-Kläranlage. In einem unterirdischen Tank filtern Holzschnitzel feste Stoffe aus dem Wasser, die man kompostiert.

Das gefilterte Wasser läuft in ein Schilfbeet, wo Pflanzenwurzeln die Schadstoffe abbauen. Das Ergebnis: Trinkwasserqualität! Gedüngt wird im Heilpflanzengarten ebenfalls ganz natürlich: „Wir verwenden keinen Kunstdünger, sondern säen etwa Rotklee oder Luzerne aus und verbessern damit die Bodenqualität“, erklärt Michael Straub, Leiter des Gartens.

Die Pflanzen verhindern, dass der Boden austrocknet. Zudem verdrängen sie durch ihren schnellen Wuchs unerwünschte Wildkräuter. Ihre tief reichenden Wurzeln stabilisieren die Bodenstruktur, bei Regen wird die Erde nicht weggeschwemmt.

„Die Pflanzen holen den Stickstoff aus der Luft und reichern ihn im Boden an“, ergänzt der Diplom-Agraringenieur. Davon profitieren Mikro-Organismen in der Erde.

 

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