Zeitarbeit

Über Umwege zu einem festen Job


Bei der IMS Gear haben Zeitarbeiter Chancen auf eine feste Anstellung

Donaueschingen. Das klingt wie der Traumjob: „Er macht mehr Spaß, ist besser bezahlt, und ich kann Vollzeit arbeiten“, sagt Hüsne Saatci (43), wenn sie über ihre heutige ­Situation spricht. Im Vergleich zu ihrer früheren Tätigkeit im Verkauf bietet ihr neuer Job in der Montage des Autozulieferers IMS Gear ganz andere Möglichkeiten.

Die Brücke zu ihrem Arbeitsplatz in einem Industrieunternehmen war die Zeitarbeit. Vor einem Jahr stieg die alleinerziehende Mutter eines zwölfjährigen Sohnes über den Dienstleister ISU ein. Seit dem 1. März hat sie einen festen Vertrag. Hüsne Saatci ist keine Ausnahme: Insgesamt 137 Zeitarbeitnehmer hat die IMS Gear seit dem Jahr 2009 übernommen.

„In der jüngsten tiefen Rezession war die Zeitarbeit für uns einer der Rettungsanker“, erzählt Geschäftsführer Clemens Rosenstiel. Dadurch war man in der Lage, die Stammbelegschaft zu halten. „Gleichzeitig konnten wir über Zeitarbeit sehr schnell neue Mitarbeiter an Bord holen, als das Geschäft nach der Krise rasant anzog“, so Rosenstiel.

Das Zauberwort heißt Flexibilität

IMS Gear, auch Spezialist für elektromechanische Servolenkungen und Parkbremsen, hat sich nach dem Einbruch schnell erholt: 2010 kletterte der Umsatz um 40 Prozent auf 164 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wuchs das Geschäft auf mehr als 210 Millionen Euro. „Zeitarbeit ist ein wichtiges Instrument zur Überbrückung von Anlauf- und Wachstumsphasen, nicht zur Reduzierung von Kosten“, betont der Geschäftsführer. Dabei sei auch zu beachten, dass Zeitarbeiter häufig angelernt werden müssen.

Zeitarbeit sei nur eines der Instrumente, die IMS Gear einsetzte, um gut durch die Krise zu kommen. Und die heute Bestandteil einer flexiblen Produktion sind. Neben vorausschauender Planung und Arbeitszeitkonten gehören dazu auch eine interne Rotation der Mitarbeiter.

Die Beschäftigung über einen Personaldienstleister werde oft zu einseitig gesehen, meint Geschäftsführer Wolfgang Weber: „Nicht nur das Unternehmen hat Vorteile davon. Auch für die Arbeitnehmer bieten sich Chancen.“

Das zeigen Beispiele wie eben Hüsne Saatci, die sich auf diesem Weg qualifizieren konnte. Eine Chance sah auch Murat Mandel (20). Nachdem aus der geplanten Kfz-Ausbildung nichts geworden war und er neun Monate bei der Bundeswehr gedient hatte, „stand ich ohne Arbeit da und wusste nicht, wohin“, erzählt er. Über ein Zeitarbeitunternehmen kam er zu IMS Gear, wo er sechs Monate später einen Ausbildungsplatz bekam.

„Das hat sich ganz schnell entwickelt“, sagt Mandel, der seit September 2011 zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet wird. Von den 1.500 Mitarbeitern an deutschen Standorten sind 15 Prozent Zeitarbeitnehmer.

Es gibt klare Regeln

Dieser für die Metall- und Elektro-Branche hohe Anteil wirke sich nicht negativ auf das Betriebsklima aus, sagt dazu der Vorsitzende des Betriebsrats Wolfgang Harter: „Zeitarbeiter werden in der internen Kommunikation wie alle anderen Mitarbeiter behandelt.“

Damit die gute Firmenkultur erhalten bleibt, sind Betriebsrat und Geschäftsführung in Gesprächen über weitere Regeln, wie Anzahl und Übernahmen. „Außerdem sind wir uns einig, dass Zeitarbeit ein Instrument bleibt, um Spitzen abzudecken und Flexibilität zu ermöglichen. Das zeigen über 300 Neueinstellungen in 2011“, so Harter.

 

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