Weltmarktführer

Über 2.000 Kunden füllen die Auftragsbücher


Christian Bollin Armaturenfabrik liefert Ventile in alle Welt

Frankfurt. Haben Sie schon mal versucht, einen Spediteur zu finden, der ein Teil nach Khoyniki in Weißrussland transportiert oder ins indische Bara­banki? Bernd Flade, Geschäftsführer der Christian Bollin Ar­maturenfabrik kennt solche Probleme gut. Die Suche nach einer Transportmöglichkeit hat ihn oft fast mehr Zeit gekostet als die Produktion des Ventils selbst. „Aber für einen Kunden ist der Aufwand nie groß genug“, sagt der Unternehmer.

Einzigartige Bandbreite

Gemeinsam mit seiner Frau Dagmar Bollin-Flade leitet er den 1924 gegründeten Familienbetrieb – ein Spezialist für maßgeschneiderte Ventile und Armaturen (28 Mitarbeiter). Die Produkte gehen an den Kraftwerkbau, die chemische und petrochemische Industrie – lieferbar in 350.000 Ausführungen mit über 10.000 verschiedenen An­schluss­kombinationen. „Diese Bandbreite ist weltweit einzigartig“, sagt Dagmar Bollin-Flade.

Einzelstücke werden mit der gleichen Sorgfalt und Präzision hergestellt wie Großserien. „Einzelteilfertigung ist Service am Kunden. Das ist uns einfach wichtig“, betont Flade.

Was auf den ersten Blick mühsam aussieht, bringt vor allem eins: Unabhängigkeit. Kein einziger Kunde kommt über  einen  Umsatzanteil  von 10 Prozent hinaus. Bollin-Flade: „Wir müssen nicht, sondern wir wollen Aufträge annehmen. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.“ Viele  kleine  Kunden (weltweit über 2.000) füllen die Auftragsbücher.

 

Aktuell können die beiden Unternehmer – trotz Rezession – nicht klagen: „Wir haben Vollbeschäftigung. Der Auftragseingang ist etwa so wie 2008“, stellt Bollin-Flade fest. Zwar geht die Nachfrage aus China zurück, doch  neue Kunden aus Oman, Iran, Irak und Russland rücken nach. „Viele haben von der Bollin-Qualität gehört und kommen übers Internet zu uns“, sagt Bollin-Flade.

Der Name Bollin hat auch bei Ingenieur-Studenten Gewicht. Aktuell beschäftigt der Betrieb drei junge Männer von der TU Darmstadt, die für ihr Studium ein mehrwöchiges Praktikum brauchen. Sie lernen, worauf es genau ankommt beim Bohren, Fräsen und Drehen mit höchs­ter Präzision. Erleben, wie  ausgefallenste Materialien bearbeitet werden können.

Unter den wachsamen Augen von Elvira Rudolph montiert Praktikant Philip Guerrero Ventile. „Auch ein Praktikant muss wissen, dass unsere Armaturen selbst unter Extrembedingungen jederzeit einwandfrei funktionieren müssen“, so die Monteurin.

Offenes Ohr für die Mitarbeiter

Guerrero kommt gerne zu Bollin. „Große Firmen wimmeln uns Studenten schnell ab. Hier ging’s ohne Diskussion“, erzählt er.  Praktikantenplätze, ein offenes Ohr für die Sorgen der Mitarbeiter und die Suche nach Lösungen sind für die Flades selbstverständlich, ebenso wie ihr vielfältiges, ehrenamtliches Engagement. Gefragt, nach dem Warum, kommt die Antwort schnell: „Wer, wenn nicht wir?“

Maja Becker-Mohr

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