Im Ruhestand weiter gefragt

Trotz Rente: Peter Gimbel ist für den Gummispezialisten Horst unverzichtbar

Peter Gimbel ist frisch in Rente. Dennoch kommt der Industriekaufmann einmal wöchentlich in den Betrieb und packt mit an. Zur Freude von Kollegen. Denn der 63-Jährige kennt Firma, Produkte und Kunden wie seine Westentasche.

Für den Nachfolger immer da: Peter Gimbel (links) hat seinen Job an Michael Zymowski übergeben. Foto: Scheffler

Für den Nachfolger immer da: Peter Gimbel (links) hat seinen Job an Michael Zymowski übergeben. Foto: Scheffler

Kabeltüllen: Das Unternehmen produziert auch für die Elektro-Industrie. Foto: Gossmann

Kabeltüllen: Das Unternehmen produziert auch für die Elektro-Industrie. Foto: Gossmann

Baut weiter auf das Know-how: Firmenchef Michael Horst (links) mit dem Ruheständler. Foto: Scheffler

Baut weiter auf das Know-how: Firmenchef Michael Horst (links) mit dem Ruheständler. Foto: Scheffler

Gelnhausen. Er war ein Motor des Betriebs. Prokurist Peter Gimbel pflegte Kundenkontakte, holte Aufträge rein, plante die Produktion. Der grauhaarige Industriekaufmann lebte seinen Beruf, war Antreiber und Problemlöser bei der Gebr. Horst Gummiwarenfabrik im hessischen Gelnhausen, las am Feierabend Fachzeitschriften.

Bis vor kurzem wuppte der 63-Jährige die Arbeit zusammen mit seinem Kollegen Michael Zymowski am Schreibtisch gegenüber. Kürzlich hat er ihm als Nachfolger die Akten übergeben. Nach 45 Jahren in der Firma ist Gimbel in Rente, will bald zum Skifahren und freut sich auf mehr Zeit für die Hobbys Radeln und Tennis.

Und doch: So ganz verabschiedet sich der „Best Ager“ nicht. Einmal wöchentlich kommt er in den Betrieb und packt mit an, manchmal nur für zwei Stunden, manchmal für einen ganzen Tag. „Ich will am Ball bleiben“, sagt der Rentner im Unruhestand. Zur Freude von Geschäftsführer Michael Horst: „Damit bleibt er unser Rettungsanker. Wenn wirklich mal etwas klemmt, können wir auf seinen Wissensschatz zurückgreifen.“

Gimbel kennt das Unternehmen, dessen Produkte und Kunden wie seine Westentasche. Für Nachfolger Zymowski ist es „ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich ihn um Rat fragen kann. Denn manche Chancen im Geschäft bekommt man nur einmal.“

Wie wichtig deshalb persönliche Beratung ist, weiß Gimbel. Die mache eigentlich die Gebr. Horst Gummiwarenfabrik aus. Deswegen habe er nie den Arbeitgeber gewechselt, sagt Gimbel. „In einem Familienunternehmen wie diesem betreut man Gummiteile von der ersten Kundenanfrage bis zur Serienproduktion. Wenn ich dabei für einen Kunden ein Problem löse, macht das den Job erst richtig interessant.“

Angefangen hat für Gimbel alles im Alter von 15 Jahren: Von der kaufmännischen Berufsfachschule in Gelnhausen kommend startete er in der Gummiwarenfabrik eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Nach dem Ersatzdienst beim Bundesgrenzschutz fing der junge Kaufmann 1974 wieder in der Fabrik an. „Erst dann habe ich meinen Beruf richtig gelernt – nach der Ausbildung“, erzählt er. Von einem Kollegen mit viel Erfahrung guckte sich Gimbel in den ersten Berufsjahren einiges ab. 1999 bekam er die Prokura.

Nun übernahm er Aufgaben der Geschäftsleitung. Zugleich betreute Gimbel die Fertigung von Formartikeln wie etwa Belägen für Pedale im Auto. Er hielt Kontakt zu Kunden, besuchte deren Fabriken, warb um Aufträge, entwickelte Produkte mit, kaufte Rohstoffe und Vorprodukte ein, organisierte die Fertigung.

Heute ordern Unternehmen Gummiartikel weltweit – da ist die Konkurrenz groß

Firmenchef Horst lobt: „Herr Gimbel hat die Entwicklung des Unternehmens mit Herzblut vorangetrieben.“ Und er hat den Wandel im Geschäft mit angepackt. Langfristige Verbindungen zu Kunden seien heute eher selten, berichtet Gimbel. „Früher konnte ich mit Kunden ganz anders reden und verhandeln. Heute ordern manche Firmen Gummiartikel weltweit, da ist die Konkurrenz groß.“

Daher sei es gut, dass er und sein Nachfolger acht Jahre lang viel gemeinsam bearbeitet hätten. „Das war optimal, um in die Aufgaben hineinzuwachsen“, findet Zymowski. Denn 45 Jahre Erfahrung lassen sich nicht so leicht ersetzen.


Gebr. Horst produziert maßgeschneidert

Foto: Werk
Foto: Werk
  • Seit 1925 produziert und entwickelt die Gebr. Horst Gummiwarenfabrik GmbH in Gelnhausen Gummi-, Kunststoff- sowie Gummi-Metallteile.
  • Ob zum Abdichten, Dämmen oder Befestigen – das Unternehmen bietet flexible Lösungen und maßgeschneiderte Anfertigungen.
  • Kunden der Hessen sind die Automobil- und Zulieferindustrie, die Elektro- und Hausgerätehersteller sowie der Fachhandel.

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Gebr. Horst Gummiwarenfabrik GmbH & Co. KG

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