Einstieg ins Berufsleben

Trotz Mindestlohn: Eine Ausbildung zahlt sich aus

Augsburg. Eine Eigenschaft musste Markus Bäßler (19) zu Ausbildungsbeginn zwingend mitbringen: „Ich bin schwindelfrei“, sagt er. Als angehende Fachkraft für Lagerlogistik bedient er einen Hochregalstapler, dessen Führerhaus auf maximal 11 Meter hinauffährt. Von dort chauffiert Bäßler seine Fracht an den richtigen Platz in bis zu 13 Metern Höhe.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet der Azubi im Lager der Augsburger Firma J. N. Eberle & Cie., einem Hersteller von Präzisionsbandstahl und Metallbandsägeblättern. Die Zeit hinterm Steuer genießt er. „Ich bin aber nicht nur Staplerfahrer“, sagt er, „ich lerne auch an anderen Stellen, Verantwortung zu übernehmen.“

8,50 Euro könnten manche von einer Ausbildung abhalten

„Die Entscheidung für diese Firma hatte vor allem finanzielle Gründe“, berichtet der junge Mann weiter. Eberle bezahlt seine Mitarbeiter nach dem Tarif der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Da springt auch schon für Azubis deutlich mehr raus als in anderen Branchen: Im dritten Lehrjahr bekommt Bäßler rund 1.000 Euro im Monat.

Der Verdienst spielt natürlich beim ersten Job für viele eine große Rolle. Deshalb fürchten Experten eine gefährliche Nebenwirkung des geplanten Mindestlohns von 8,50 Euro die Stunde, den die Bundesregierung ab 2015 einführen will. Der Mindestlohn könnte Anreiz sein, auf eine Ausbildung zu verzichten!

Denn wer volljährig ist und als Ungelernter Vollzeit jobbt, darf dann mit fast 1.500 Euro im Monat rechnen. Wer also in jungen Jahren nur aufs schnelle Geld schaut, entscheidet sich dann wohl gegen eine Ausbildung, für die das Mindestlohngesetz ja nicht gelten wird.

Quer durchs Land fordert die Wirtschaft deshalb Nachbesserungen am Gesetzentwurf: Der Mindestlohn sollte nicht ab 18, sondern frühestens ab 21 Jahren gelten, um die Attraktivität der Ausbildung nicht zu gefährden. Schließlich sind Ausbildungsanfänger nach Angabe des Arbeitgeber-Dachverbands BDA im Durchschnitt 19,8 Jahre alt.

Die Bundesagentur für Arbeit hat bereits angekündigt, in großem Stil aufzuklären: Sie will künftig „jeden Jugendlichen gut beraten, damit er erkennt, wie wertvoll eine Ausbildung ist – und auf den Lohnvorteil eines 8,50-Euro-Jobs verzichtet“.

Eberle-Azubi Bäßler ist ein typisches Beispiel dafür, wie sich eine solide Ausbildung auszahlt. Im Herbst ist die Abschlussprüfung – und wenn der junge Mann die nicht vergeigt, darf er fest damit rechnen, dass seine Firma ihn übernimmt. Dann winkt ein Gehalt nach Metallertarif. Schon in der niedrigsten Entgeltgruppe, die in der Praxis kaum besetzt ist, wären das 2.076 Euro.

Schnell mehr Verantwortung als eine ungelernte Hilfskraft

Aber es geht nicht nur ums Geld. „Herr Bäßler hat sich während der Ausbildung auch persönlich stark weiterentwickelt“, berichtet sein Chef, Eberle-Lagerleiter Harald Konhäuser. Das liegt daran, dass eine Fachkraft für Lagerlogistik weit mehr zu können hat als etwa eine ungelernte Hilfskraft mit Stapler-Führerschein.

Bäßler muss ja nicht etwa nur Ware einlagern, sondern auch Lieferungen entgegennehmen, verwalten, im Betrieb verteilen und sie an Kunden verschicken – ein Job mit Verantwortung und Kontakt zu Menschen.

„Er ist dadurch selbstbewusster geworden und geht viel selbstverständlicher auf fremde Leute zu“, sagt Konhäuser.

Zum Beispiel auf osteuropäische Lkw-Fahrer. Dann hilft dem Azubi auch sein Englisch oft nicht weiter. „Irgendwie geht es aber trotzdem immer“, erzählt Bäßler – „wenn es sein muss, kommunizieren wir eben mit Händen und Füßen.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Meine Mutter hat mir den Tipp gegeben, dass Lagerlogistik was für mich sein könnte. Dann habe ich im Internet gezielt gesucht.

Was reizt Sie am meisten?
Mir macht es sehr viel Spaß, Ordnung zu halten. Das war bei mir schon als Kind so.

Worauf kommt es an?
Höhenangst darf man natürlich nicht haben. Und es ist wichtig, immer zuverlässig und konzentriert zu arbeiten. Das ist schwer, weil auch viele Routinetätigkeiten dabei sind.


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