Fachkräfte-Mangel

Trotz Krise: Firmen bleiben auf der Pirsch


Experten warnen: Gute Leute werden immer knapper

Hannover. Fachkräftemangel – die Aussichten sind besorgniserregend. Trotz Krise sind vor allem Ingenieure Mangelware, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird größer. Ab 2018 gehen jährlich rund 44.000 Ingenieure in Rente, ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Die Äußerungen in den Betrieben gleichen sich. „Wir haben großen Bedarf an Ingenieuren“, stellt Christoph Humberg klar, Personalleiter der MTU Maintenance (1.000 Mitarbeiter) in Langenhagen bei Hannover. Das Unternehmen wartet Flugzeugtriebwerke, ist gut ausgelastet.

Auch die Wabco GmbH in Hannover, einer der weltweit führenden Anbieter für Sicherheits- und Regelsysteme für Nutzfahrzeuge, ist stetig auf der Pirsch nach hochqualifizierten Leuten. Cevat Dönmez, Leitung Human Resources Strategy: „Für uns ist die Suche nach Hochschulabsolventen und Ingenieuren mit Berufserfahrung seit mehreren Jahren eine große Herausforderung.“

Wohlstandsverlust in Milliardenhöhe

84 Prozent der Mitgliedsfirmen im „Verband der Elektrotechnik Elektronik Informatik“ (VDE) befürchten – und erleben es jetzt schon – dass sie ihren Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften nicht decken können. Das hat schon jetzt teilweise dramatische Auswirkungen: Der IW-Studie zufolge entging Deutschland allein im Krisenjahr 2009 aus diesem Grund Wertschöpfung in Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro.

Und je schneller die Nachfrage nach Fachleuten jetzt wieder anzieht, desto nachhaltiger schlagen die Engpässe durch. Zwar gibt es auch arbeitslose Ingenieure. Doch die Quote liegt mit 2,4 Prozent auf Vollbeschäftigungsniveau, wie der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) betont. Eine gewisse Zahl von Jobsuchern erklärt sich stets mit dem normalen Stellenwechsel von Arbeitnehmern; zudem passen viele Langzeitarbeitslose einfach nicht in das Anforderungsprofil von Unternehmen. „Der Markt ist quasi leergefegt“, bekräftigt Personalmann Dönmez.

Zahl der offenen Stellen rasant gestiegen

Auch im vergangenen Jahr konnten in Deutschland 34.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Und nach dem jüngsten „Ingenieurmonitor“ von IW und VDI ist die Zahl der offenen Stellen allein von April auf Mai dieses Jahres um 7 Prozent gestiegen – auf fast 61.000. Den mit Abstand größten Mangel gibt es bei den Maschinen- und Fahrzeugbau-Ingenieuren.

Der gesamte Fachkräftemangel bei allen MINT-Spezialisten (Menschen mit Studienabschlüssen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ist noch größer. Er wird sich nach Berechnung der Kölner Forscher bis 2014 auf 220.000 summieren.

WF/NM

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang