RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Sparsame Reifen

Trinseo nimmt innovative Pilotanlage für neuen Kautschuk in Betrieb

8 Prozent weniger Sprit? Das freut Autofahrer! Möglich machen das sparsame Reifen, in denen ein neuer Kautschuk steckt. Bei Trinseo in Schkopau bringt Jens Buschmann gerade eine Pilotanlage dafür zum Laufen.

Kreativer Kopf: Viele Ideen von Jens Buschmann stecken in der Anklage. Foto: Sturm

Kreativer Kopf: Viele Ideen von Jens Buschmann stecken in der Anklage. Foto: Sturm

In de Messwarte: Jens Buschmann, René Lehmann und Mandy Kaßler (von links) sorgen im Team für gute Ergebnisse. Foto: Sturm

In de Messwarte: Jens Buschmann, René Lehmann und Mandy Kaßler (von links) sorgen im Team für gute Ergebnisse. Foto: Sturm

Schkopau. Hell glänzen die Rohrleitungen, nagelneu sind die Kessel, Reaktoren, Mess- und Überwachungsgeräte im Reich von Jens Buschmann. Der Ingenieur leitet ein zehnköpfiges Team, das die Pilotanlage vom Synthesekautschuk-Hersteller Trinseo in Schkopau (Sachsen-Anhalt) betreut.

„Wir sind zurzeit dabei, die Anlage in Betrieb zu nehmen“, berichtet der 40-Jährige. Deshalb werden hier Ventile geprüft, an anderer Stelle Sensoren getestet, die komplette Steuerungselektronik bis aufs i-Tüpfelchen strengen Kontrollen unterzogen, erste Probeläufe gefahren – bei der ersten Produktion darf nichts schiefgehen.

Buschmann ist seit 2014 hier, als er sich auf die Stelle als Leiter der Pilotanlage beworben hatte. „Diese komplexe Aufgabe hat mich gereizt“, sagt der gebürtige Gubener. „Ich war in die Planung der Anlage involviert, habe das Engineering und die Errichtung begleitet und war ab 2016 auch für die Auswahl der Mitarbeiter des Teams verantwortlich.“

Spritverbrauch wird bis zu 8 Prozent gesenkt

Trinseo in Schkopau fertigt mit über 500 Mitarbeitern einige 100.000 Tonnen Synthesekautschuk im Jahr, vor allem sogenannten Lösungs-Styrol-Butadien- Kautschuk (S-SBR). Hauptbestandteile sind Styrol und Butadien, hinzu kommen etliche Zuschlag- und Hilfsstoffe. Die Mischung wird überwiegend an Reifenhersteller in Europa verkauft. Rund ein Drittel geht nach Asien und in die USA.

„Das Material nutzt man für die Lauf- fläche moderner Hochleistungsreifen“, erklärt Buschmann. Denn es senkt bei gleicher Leistung und Fahrverhalten den Spritverbrauch um etwa 6 bis 8 Prozent. Das spart viel Geld, aber auch enorm viele Treibhausgas-Emissionen. Ungefähr ein Dutzend Varianten des begehrten Kautschuks werden heute bereits in Schkopau gefertigt.

Und wozu dient jetzt die Pilotanlage? Darin will man künftig die ersten Chargen neu entwickelten Synthesekautschuks herstellen, sogenannte Produktmuster. Nicht nur ein paar Kilo, sondern bis in den einstelligen Tonnenbereich hinein. „Damit bekommen die Hersteller ausreichend Material, um aussagekräftige Reifentests zu machen“, so Buschmann. Und können bei Bedarf Änderungen anmelden.

„Die Zeit von der ersten Idee bis zu industriellen Fertigung verkürzt sich“

Die Pilotanlage selbst ist im Hinblick auf ihre Konfiguration und die gefahrenen Prozessparameter dem Produktionsprozess in den Großanlagen nachempfunden. „Aus dem Betrieb der Anlage können wir deswegen auch das Rezept des jeweiligen Materials und den Herstellungsprozess im großen Maßstab optimieren“, erläutert Buschmann. Und noch ein Vorteil: „Die Zeit von der ersten Idee über die Entwicklung im Labor bis hin zur industriellen Fertigung eines neuen Materials verkürzt sich mit der Pilotanlage erheblich.“

Anstatt eine Lücke in der Großfertigung abwarten zu müssen, kann man bei Bedarf also sofort produzieren. „Die Kunden sind begeistert“, weiß Buschmann, der Verfahrenstechnik an der TU Dresden studiert hat.

Es gibt kaum einen bedeutenden Reifenhersteller, mit dem Trinseo Schkopau nicht in Forschung und Entwicklung zusammenarbeitet. Kein Wunder also, dass rund 15 Prozent der Beschäftigten am Standort für die Entwicklungsabteilung arbeiten.

Buschmann ist als Chef übrigens kein Kommandeur, keiner, der alles kontrolliert, im Gegenteil. Er setzt auf eine gute Atmosphäre im Team, Vertrauen, legt Wert auf ein gutes Miteinander. „Das befruchtet die Ideenfindung, setzt Kreativität frei und schafft Raum für unkonventionelle Ideen und Lösungen.“

Und bringt Erfolg – im Beruf wie in der Freizeit: Der Hobbyimker hält drei Bienenvölker. „Die erste Ernte 2018 war reichlich und gut.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Die Stelle als Pilotanlagenleiter war ausgeschrieben. Die Komplexität der Aufgabe aus Optimierung der Verfahrenstechnik, Teamführung und Forschung lockte mich.

Was reizt Sie am meisten?

Die Herausforderungen sind an jedem Tag andere. Und immer wieder ist Kreativität gefragt. Das macht die Arbeit spannend.

Worauf kommt es an?

Das ist wie in einer guten Küche: Nur die richtigen Zutaten, das richtige Rezept und das richtige Team führen zum Gourmet-Stern.


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang