Power für sparsame Reifen

Trinseo baut in Schkopau seine Kapazitäten für Synthesekautschuk aus

Es klingt wie ein guter Vorsatz zum neuen Jahr: Weniger Sprit! Wie man Autos den „Durst“ abgewöhnt, weiß man beim Synthesekautschuk-Spezialisten Trinseo: durch „grüne Reifen“, die deutlich weniger Energie verbrauchen.

„Grüne“ Reifen: Hochleistungspneus senken Rollwiderstand und Spritverbrauch. Foto: Werk

„Grüne“ Reifen: Hochleistungspneus senken Rollwiderstand und Spritverbrauch. Foto: Werk

Am Band: Logistikchef Michael Wilczek prüft einen Kautschukballen. Foto: Sturm

Am Band: Logistikchef Michael Wilczek prüft einen Kautschukballen. Foto: Sturm

Schkopau. Sprit sparen – das möchte jeder Autofahrer. Möglich machen das heute spezielle Reifen, die den Rollwiderstand herabsetzen. Ihr Geheimnis ist ein Gummi aus elastischen Polymeren, wie es zum Beispiel Trinseo in Schkopau (Sachsen-Anhalt) herstellt. Jetzt erweitert der Hersteller von Synthesekautschuk seine Produktionsanlagen.

Lange Fließbänder schlängeln sich durch die riesige Logistikhalle. Darauf „wandern“ in spezielle Kunststofffolie verpackte Kautschukballen. Sie steuern zunächst die Waage an und finden am Ende Platz in einer Verpackungsbox. Eng an eng geht es dann in Containern auf die Reise. „Wir produzieren vor allem Rohstoffe für Hochleistungsreifen und liefern sie weltweit aus“, berichtet Logistikchef Michael Wilczek.

Das begehrte Material steckt in der Lauffläche

So auch die neuen Spezialkautschuke mit der englischen Bezeichnung „Solution-Styrene Butadiene Rubber“ (kurz: S-SBR). Das Hightech-Material wird in die Lauffläche von umweltschonenden „grünen“ Autoreifen eingearbeitet. Dabei geht es um die Überwindung des Fahrwiderstands: „Reifen mit unserem Spezialkautschuk mindern den Rollwiderstand um 5 bis 10 Prozent“, weiß Joachim Kiesekamp, Leiter der Anwendungstechnik. Das senkt den Spritverbrauch und verbessert gleich noch den Grip.

Laut Berechnungen des Automobilklubs ADAC kann ein Öko-Reifen zwischen einem und drei Liter Sprit auf 100 Kilometer sparen. „Unser Kautschuk ist eine Schlüsselkomponente bei der Steigerung der Energieeffizienz, der Sicherheit und der Langlebigkeit von Hochleistungsreifen“, betont der Experte. Die Verwendung „grüner“ Reifen könnte den Kohlendioxid-Ausstoß weltweit zudem um etliche Millionen Tonnen jährlich reduzieren.

Kiesekamps Team aus Ingenieuren, Chemikern und Technikern berät Reifen- und Autohersteller weltweit. Diese signalisieren deutlich: Die Nachfrage der Autofahrer nach sparsamen Reifen steigt. „Wir reagieren darauf“, sagt Kiesekamp mit Nachdruck. Geplant ist, die Produktionskapazitäten in Schkopau kräftig auszubauen: Ab 2018 kann der Standort dann von dem begehrten Material insgesamt 200.000 statt heute 150.000 Tonnen pro Jahr produzieren. Kein leichtes Vorhaben, die Anlagen werden bei laufendem Betrieb erweitert, um die Kundschaft verlässlich zu beliefern. „Wir nennen das Rekonfiguration der Produktionslinien“, erklärt der Chemiker das Mammut-Projekt.

Durch die Millionen-Investition bekommen die rund 530 Beschäftigten in Schkopau (davon 30 Prozent Frauen) auch neue Kollegen, versichert Kiesekamp. Doch das Unternehmen blickt noch viel weiter in die Zukunft. Gerade entsteht im Werk eine Pilotanlage, in der man künftig neue Varianten des S-SBR-Kautschuks entwickelt, herstellt und testet. „Neue Produkte brauchen Entwicklungszeiten von etwa vier Jahren, bis sie marktreif sind“, erläutert Kiesekamp den Aufwand. Die Pilotanlage soll diese Zeitspanne verkürzen. Auf Markttrends könne man dann schneller reagieren, so der Fachmann: „Für uns ein weiteres starkes Argument für die enge Kooperation mit Reifen- und Pkw-Produzenten. Und für weiteres Wachstum.“

Gegründet wurde das Unternehmen übrigens im Jahr 2010 aus den Bereichen Synthesekautschuk, Polystyrol, Latex und Polykarbonat des US-Chemiekonzerns Dow Chemical. Mittlerweile ist Trinseo in 27 Ländern präsent und beschäftigt heute weltweit rund 2.200 Mitarbeiter.


Schon gewusst?

Foto: Sturm
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So entsteht Synthesekautschuk

  • Trinseo Schkopau produziert vor allem Polybutadien- und Styrol-Butadien-Kautschuk. Ein Großteil der Rohstoffe Styrol und 1,3-Butadien kommt per Pipeline aus dem 40 Kilometer entfernten Standort Böhlen.
  • Das Gas Butadien und die Flüssigkeit Styrol werden in der sogenannten Lösungspolymerisation in einem Reaktor miteinander verbunden.
  • So entstehen lange Molekülketten. Wasserdampf und Hilfschemikalien ermöglichen die Rückgewinnung des Lösungsmittels, und die Moleküle schließen sich zu Kautschukkrümeln zusammen. In Ballen gepresst landen sie beim Kunden.
  • Übrigens: In Schkopau wird der spezielle Kautschuk S-SBR nach der Batch-Technologie hergestellt. Diese Art der Produktion „im Kessel“ erlaubt eine hohe Flexibilität und genaue Kontrolle bei der Zusammensetzung des Materials.

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