Sauberer Sprit für saubere Luft

Tricat liefert die Katalysatoren zum Entschwefeln von Kraftstoff

Bitterfeld. Ein paar Meter fahren, bremsen, stoppen. Weitere Meter rollen, wieder Pause – Feierabendverkehr zerrt an den Nerven. Dass beim lästigen Stop-and-go heute deutlich weniger üble Gerüche und Abgase als früher frei werden, verdankt die Umwelt auch der Firma Tricat im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen.

Dieses gewaltige Industrie-Areal in Sachsen-Anhalt – vor 25 Jahren war es noch voller Dreckschleudern. Doch heute leisten dort Firmen wie Tricat Großes für den Umweltschutz. Der 50-Mann-Betrieb liefert jene Katalysatoren, die in Raffinerien den Schwefel im Sprit auf ein Minimum absenken. Und so den sauren Regen vermindern.

Steigender Umsatz und zusätzliche Geschäftsfelder

„Mit den bei uns behandelten Katalysatoren lässt sich zum Beispiel die Schwefelmenge im Sprit auf nur noch zehn Milligramm pro Kilogramm verringern“, berichtet Karsten König, der Geschäftsführer des Werks. Das ist ein kaum noch nachweisbarer Rest. Zum Vergleich: Vor zwei Jahrzehnten waren es noch 500 Milligramm.

Die Industrie-Katalysatoren werden benötigt, um Erdöl im Hydrotreater oder im Hydrocracker zu verarbeiten. Tricat produziert sie nicht selbst – sondern hat sich darauf spezialisiert, sie für ihre Hersteller zu aktivieren: „Als Stäbchen, Kugeln oder Zylinder angeliefertes Material, etwa Molybdän- oder Nickeloxid von Herstellern wie der BASF, Albemarle oder Haldor Topsoe, wird bei uns mit einem speziellen Gasbehandlungsverfahren sulfidiert“, erklärt König. Darin stecke viel Know-how und ausgetüftelte Technik.

Rund 100 verschiedene Produkte veredelt das Werk – für die Raffinerien in Leuna und Schwedt, aber auch viele Kunden weltweit. Der Firma kommt beim Vertrieb zugute, dass sie seit 2012 zum Weltmarktführer auf diesem Gebiet gehört, der französischen Eurecat-Gruppe (460 Beschäftigte).

„Das Geschäft in Europa läuft stabil, in Asien, Südamerika und Nahost wächst es“, berichtet König. Zudem hat sich Tricat neue Geschäftsfelder erschlossen, etwa maßgeschneiderte Katalysatoren für Bio-Raffinerien. Oder für die Erdgasförderung: Sie entfeuchten und entgiften das Gas direkt am Bohrloch. „Das ist ein großer Markt für uns“, sagt König.

2.500 Tonnen werden jährlich recycelt

All das sorgt für Wachstum. Neuerdings hat sich die Jahreskapazität auf 5.000 Tonnen verdoppelt – dank einer neu errichteten Anlage im Wert von rund 10 Millionen Euro. Das Werk sei auch in dieser Größenordnung „gut ausgelastet“, so der Geschäftsführer.

Dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei Tricat eine große Rolle spielen, zeigt sich auch in einem weiteren Geschäft: Die Bitterfelder recyceln jährlich 2.500 Tonnen gebrauchter Katalysatoren. „Und was nicht wiederverwendet werden kann“, erläutert König, „geben wir zur Metallrückgewinnung an Partnerfirmen.“


Schon Gewusst?

Foto: Sturm
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So arbeitet man Katalysatoren wieder auf

  • Katalysatoren werden in der Chemie eingesetzt, um Reaktionen zu beschleunigen.
  • Dabei verbrauchen sie sich nicht. Aber Ablagerungen von Schmutz, Schwefel oder Stickstoff vermindern ihre Leistung. Daher tauscht man sie nach einer bestimmten Zeit aus.
  • Weil sie aus teuren Metallen wie Molybdän, Nickel oder Platin bestehen, werden sie durch Erhitzen von den Ablagerungen befreit und wieder für den Einsatz aktiviert.

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