Aus einem Guss

Trend zum Leichtbau sichert Zukunft der Gießereien


Düsseldorf. Es zischt, es dampft, Flammen aus 1.200 Grad heißen, offenen Öfen verschlingen Metall, bis es hellorange glüht. Ein halbes Dutzend Männer in silbrigen Anzügen, mit schweren Schürzen gegen Hitze und Funken gesichert, kippt geschmolzenes Metall in eine Gussform, der Gießerei-Meister gibt laute Kommandos. Nebenan kühlt ein Metallrohr aus, aus dem kleine blaue Flammen schlagen.

Seit fast 100 Jahren werden in der Gießerei Dillenberg in Düsseldorf so Ringe, Scheiben, Schneckenräder, Lager oder Gehäuse produziert. „Unsere Aufträge kommen fast ausschließlich aus dem Maschinenbau“, sagt Ernst Kempkes, Mitglied der Geschäftsleitung. Dillenberg fertigt Komponenten für Maschinen als Einzelstücke oder in Kleinserien. Eingesetzt werden sie unter anderem in den Riesenbaggern im Braunkohletagebau.

Ein Viertel der deutschen Metallgussproduktion kommt aus Nordrhein-Westfalen. Vor allem deshalb, weil die Gießerei bis heute die Nähe zum Industriekunden braucht – und umgekehrt. Und das sichert auch die Zukunft der Gießereien.

Obwohl China heute der mit weitem Abstand größte Metallgussproduzent der Welt ist, behauptet Deutschland noch immer den ersten Platz in Europa – und Platz vier weltweit. Natürlich muss auch die traditionelle Gießerei-Branche mit der Zeit gehen. Moderner Umweltschutz heißt hier: Absauganlagen fangen den Rauch direkt über den Öfen auf; alle in der Dreherei anfallenden Späne werden sortiert und eingeschmolzen; der Sand für die Sandgussformen wird ebenso wieder genutzt; die rund 20 Tonnen Zinkoxidstaub, die pro Jahr hier anfallen, werden als Zuschlagsstoff in der Stahl-Industrie eingesetzt.

Die harte Arbeit der Männer in den Schutzanzügen ist trotzdem noch immer dieselbe. Den Sand für die Sandgussformen, in denen die Mehrzahl der Gussteile entsteht, ziehen die Arbeiter mit dem Spachtel glatt.

„Wir können hier nichts automatisieren“, sagt Ernst Kempkes, der seit rund 25 Jahren im Betrieb ist. Computergesteuerte Fertigung, das geht in einer Sandgießerei auch heute nicht.

Trend zum Leichtbau bei Autos und Windrädern sichert die Zukunft der Gießereien

Dennoch: Die Branche soll Zukunft haben. Gießereien setzen vor allem auf den Trend zum Leichtbau, in dem ihre Produkte gefragt sind. Autos und Windkraftanlagen etwa kommen ohne hochpräzise gefertigte Gussteile nicht aus.

Die Ausbildungsquote bei Dillenberg spricht für gute Perspektiven. „Wir haben immer zwischen 10 und 15 Prozent Azubis, derzeit sind es 13 unter den 120 Mitarbeitern“, sagt Kathrin Grüne. Auch sie ist Mitglied der Geschäftsleitung. Viele Beschäftigte arbeiten bei Dillenberg jahrzehntelang.

Auch Odysseus Verdinoglou kann sich das gut vorstellen. Er ist 28, seit sieben Jahren dabei und Abteilungsleiter in der Vorbearbeitung, in der die Rohgussteile vorgedreht werden, bevor es an die Feinarbeit geht. „Das hier ist ein überschaubarer Laden, die Wege sind kurz und alles läuft sehr kollegial ab“, erzählt er.

Das ist typisch für die Branche: Mittelständische Firmen machen über 90 Prozent der Betriebe aus. Jedes Jahr produzieren sie Gussteile aus mehr als 5 Millionen Tonnen Metall. Das ist ein Bruchteil der chinesischen Produktion von 41 Millionen Tonnen, aber das Doppelte der Leistung italienischer Gießereien, die in Europa auf Platz zwei liegen.

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