Erfolgreiche Erfahrung

Totgesagt - heute sehr erfolgreich


Bergmann Automotive hat eine erstaunliche Entwicklung vorzuweisen

Barsinghausen. Die Mitarbeiter der Bergmann Automotive blicken zurück: Werkstoffprüferin Bettina Jüttner spricht von einer „Pionierstimmung“, die vor zehn Jahren im Barsinghausener Unternehmen geherrscht habe. Fertigungsleiter Bernhard Träger erinnert an ein „extrem starkes Wir-Gefühl“.

Auch Gießerei-Facharbeiter Andreas Lindhorst sagt: „Wir haben an uns geglaubt. Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt.“

Vor zehn Jahren hat die ehemalige Gießerei des Dana-Konzerns in Barsinghausen vor dem Aus gestanden. Bernhard Büthe war Betriebsleiter.

Amerikaner lagen völlig falsch

„Wir sollten dichtgemacht werden. Die Amerikaner glaubten nicht an uns. Eine Gießerei am teuren Standort D – das hatte für sie einfach keine Zukunft.“

Doch es kam ganz anders. Büthe fand im niedersächsischen Mittelständler Bergmann einen Investor mit guten Kontakten zur Automobil-Industrie. Heute ist er Geschäftsführer der Bergmann Automotive GmbH. Fast alle der 63 Mitarbeiter, die um die Jahrtausendwende mit ihm ins neue Unternehmen wechselten, sind noch dabei. Viele kamen dazu: Auf 143 fest angestellte Beschäftigte und 60 Leiharbeiter ist die junge Firma gewachsen.

Im Rennen um Aufträge wiegt die langjährige Erfahrung auf dem Gebiet, sowie die gute Mannschaft und die neue Maschinentechnologie des Schleudergießens. „Wir bringen alle Zertifikate mit“, sagt Büthe.

Wie fast jede Gießerei wartet auch Bergmann Automotive mit beeindruckenden Bildern auf: Wenn das glühende Eisen in die Transportpfanne läuft, denkt man an Lava. Aus sechs Schmelzöfen fließt das fast bis zur Weißglut gebrachte 1.450 Grad Celsius heiße Metall in die Kokille – zwei Meter lang sind die Rohre, aus denen später 17 computergestützte Bearbeitungszentren die Zylinderlaufbuchsen fertigen. Die Kapazität erlaubt eine Stückzahl von etwa zehn Millionen pro Jahr.

Zeitarbeit macht flexibel

Eine ständig erweiterte Automatisierung ist Teil des Erfolgsrezeptes. Ein weiterer: Man muss flexibel reagieren können. Dazu Büthe: „Ohne Zeitarbeiter geht das nicht. Wir brauchen eine atmende Fertigung.“

Auch deshalb spürte Bergmann Automotive die Krise rund ums Auto kaum. „Uns hat auch geholfen, dass wir viele Besteller haben“, erklärt der Chef. „Wir wollen nicht von einem großen Kunden abhängig sein.“

Die Regel in Barsinghausen lautet: Nicht mehr als 25 Prozent des Gesamtumsatzes darf mit einem Kunden erzielt werden. Das hat den Betrieb stark gegen Krisen gemacht.

Der Erfolg: Vom totgesagten Betriebsteil ging es in der Selbstständigkeit in die schwarzen Zahlen. Man ist heute Europas zweitgrößter Hersteller von Zylinderlaufbuchsen.

Werner Fricke

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