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Torjäger in der Lehre


Fürs Foto mal ohne Helm:­ Eishockeyspieler Lukas Gohlke stürmt für den EV Füssen und die deutsche U17-Auswahl. Foto: Puchner

Nationalspieler Lukas Gohlke macht eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker

Füssen. An den 20. Januar 2012 wird sich Lukas Gohlke noch lange erinnern. Freitagabend, Eishockey-Oberliga, 700 Zuschauer, Füssen gegen Peiting – eigentlich nichts Besonderes. Und doch ging für den Teenager, gerade 17 Jahre alt geworden, ein Kindheitstraum in Erfüllung: „Ich wollte unbedingt einmal für unsere erste Herren-Mannschaft spielen.“

Bislang steht Gohlke für den Traditionsverein EV Füssen (16-mal deutscher Meister zwischen 1949 und 1973) regelmäßig in der höchsten deutschen Nachwuchsliga auf dem Eis – und er spielt überdies in der Junioren-Nationalmannschaft. Sein Ziel: Eishockey-Profi.

Was aber, wenn der Traum platzt? Es am Ende doch nicht reicht? Oder eine schwere Verletzung alles beendet? „Wenn ich meine Lehre erfolgreich abschließe, habe ich was in der Tasche“, sagt Gohlke.

Erfolg im Beruf gibt Sicherheit

Deshalb macht er seit einem halben Jahr eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker in der Firma Zetka – ein Kraftakt. Das Metall-Unternehmen mit rund 140 Mitarbeitern produziert in Füssen Stanz- und Biegeteile. Schon häufiger hat es Nachwuchs-Spielern eine Ausbildung ermöglicht. Zetka unterstützt das Füssener Eishockey zudem seit Jahren als Sponsor.

Nach fast jedem Feierabend tauscht Mitarbeiter Gohlke seinen Blaumann gegen Schulterpolster und Helm. Im stressigen Trainingsalltag hilft ihm, dass Betrieb, Elternhaus und das Bundesleistungszentrum für Eishockey nur wenige Gehminuten voneinander entfernt sind.

In der Saison sind in jeder Woche zwei Spiele – auch auswärts in Berlin, Köln, Düsseldorf und Krefeld. Wegen langer Busreisen ist dann das komplette Wochenende futsch. „Ich verzichte auf Freizeit“, erklärt das Nachwuchs-Talent seinen Spagat zwischen Leistungssport und Ausbildung.

Besonders anstrengend ist es, die Arbeit mit Lehrgängen und Einsätzen fürs Nationalteam unter einen Hut zu bringen. Zuletzt etwa ging es mit der U17-Auswahl für zehn Tage nach Kanada zur „World Hockey Challenge“, der inoffiziellen Junioren-Weltmeisterschaft.

Gohlke nimmt für seinen Leistungssport fast den gesamten Jahresurlaub. Und ab und zu benötigt er zudem die Befreiung von der Berufsschule. „Wenn die Noten und die Leistung im Betrieb stimmen, ist das kein Problem“, sagt Christoph Draesner, Zetka-Ausbildungsleiter für Werkzeugmechaniker.

Die Lerninhalte muss der Jugendliche dann nachholen. Aber sein Ausbilder rechnet fest damit, dass der Schützling die Anforderungen in Betrieb und Berufsschule gut bewältigen wird: „Er ist nicht nur auf dem Eis immer engagiert bei der Sache.“


Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Die Firma Zetka kannte ich von Ferienjobs und einem Praktikum. Die Lehre zum Werkzeugmechaniker hat mich von Anfang an interessiert. Ältere Freunde und Kollegen haben mir dazu geraten.

Was reizt Sie am meisten?

Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. Vor allem die Arbeit mit unterschiedlichen Materialien macht mir Spaß.

Worauf kommt es an?

Sorgfalt ist Pflicht. Werkzeuge und Formen müssen präzise hergestellt werden, damit sie funktionieren.

 

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