Zukunftstechnik für Mega-Hochhäuser

ThyssenKrupp baut Testturm für Turbo-Aufzüge

Rottweil. Gewöhnlich finden Forschung und Entwicklung eher im Verborgenen statt, fast unsichtbar. Schließlich wollen Unternehmen ihre neuen Produkte und Technologien vor der Konkurrenz schützen. ThyssenKrupp Elevator, die Aufzugs- und Fahrtreppensparte des Technologiekonzerns, macht seine Entwicklungsaktivitäten nun ganz öffentlich mit dem höchsten Bauwerk Baden-Württembergs.

In Rottweil hat vor wenigen Tagen der Bau eines Test- und Entwicklungsturms für Aufzüge begonnen, der für den Konzern ein Leuchtturmprojekt werden soll und für die älteste Stadt des Landes ein Wahrzeichen. 246 Meter hoch wird das Bauwerk, 29 Meter höher als der Stuttgarter Fernsehturm.

Mit dem 40 Millionen Euro teuren Neubau will sich der Konzern für den Trend zu immer höheren Hochhäusern in den Metropolen der Welt wappnen. 830 Meter sind beim Burj Khalifa in Dubai schon erreicht, bis zu 1.500 Meter sollen es bei künftigen Wolkenkratzern einmal werden.

Das stellt die Aufzugsbauer in Sachen Geschwindigkeit und Sicherheit vor völlig neue Herausforderungen. „Der Testturm wird ein entscheidender Puzzlestein für ThyssenKrupp, kommende Aufzugsgenerationen und auch völlig neue Lösungen zu entwickeln, zu testen und zu zertifizieren“, sagt Alexander Keller, Europachef von ThyssenKrupp Elevator.

In dem neuen Turm, der in zwei Jahren in Betrieb gehen soll, dienen neun Aufzugsschächte ausschließlich der Forschung und Erprobung, erläutert Projektkoordinator Peter Osterstock. In Rottweil und im Forschungszentrum in Pliezhausen bei Reutlingen arbeiten Ingenieure künftig an einer Art Turbo-Aufzug.

Statt derzeit 10 Meter pro Sekunde sollen die Kabinen dann 18 Meter pro Sekunde zurücklegen. Bei einem 1.500-Meter-Wolkenkratzer wäre ein solcher Lift nach eineinhalb Minuten im obersten Stockwerk.

Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Herausforderungen bei der Weiterentwicklung von Aufzügen: die Leistung und der Stromverbrauch der Elektromotoren, die Türen und Tragseile, die Sicherheitseinrichtungen und vor allem die Software zur Steuerung der Aufzüge. Das sei die größte Herausforderung der Personenbeförderung in den Megahochhäusern von morgen, betont Entwicklungsleiter Stephan Rohr.

Größtes Werk Europas steht bei Stuttgart

„Hinter dem kleinen Knopf mit der Zahl des gewünschten Stockwerks steckt eine immense Technik“, fasst Rohr die Anforderungen an die Entwickler zusammen. Dass sich der weltweit tätige Konzern für Rottweil als Standort entschieden hat, begründet ThyssenKrupp mit seinen bestehenden Standorten im Südwesten.

Neben dem Forschungszentrum Pliezhausen ist das vor allem das Aufzugswerk in Neuhausen südlich von Stuttgart. Das 1.200-Mitarbeiter-Werk ist laut ThyssenKrupp das größte der Branche in ganz Europa.

Doch dort konnte der Turm nicht hin. Das Mammutbauwerk, das vom deutsch-amerikanischen Stararchitekten Helmut Jahn entworfen wurde, hätte in Neuhausen den Flugverkehr am benachbarten Stuttgarter Airport behindern können.


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