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Textile Produktion lohnt sich auch in Deutschland

Hamminkeln. Unter Konrad Schröers Füßen vibriert der Asphalt. Der Chef des Textilunternehmens Setex im niederrheinischen Hamminkeln-Dingden deutet auf eine etwa 200 Meter lange Halle – im Innern steht der Ursprung des geschäftigen Brummens: 90 Hochleistungswebmaschinen. Pro Sekunde schaffen sie bis zu elf Schuss.

Sie produzieren jährlich mehr als 40 Millionen Quadratmeter Gewebe. Daraus entstehen technische Gewebe, flammenhemmende Bühnen- und Vorhangstoffe sowie Textilien rund um die Matratze.

Damit haben die Niederrheiner 2013 insgesamt gut 135 Millionen Euro Umsatz gemacht. Hinter dem Unternehmen, das 1990 mit gerade mal 17 Beschäftigten von Schröer und seinem Geschäftsführerkollegen Markus Enk gegründet wurde, steckt eine beeindruckende Philosophie. „Textil hat Zukunft, auch in Deutschland“, ist Schröer überzeugt. Ins Ausland abzuwandern, ist für ihn keine Option.

1.000 Menschen arbeiten in der ganzen Region für das Unternehmen

Im Gegenteil: Setex engagiert sich vor Ort. Investiert regelmäßig in seine Standorte Rheine, Emsdetten, Greven und Dingden. Allein in den letzten drei Jahren flossen so über 15 Millionen Euro in diese Standorte. Mittlerweile gehören drei Webereien, eine Spinnerei und Ausrüstung und sogar ein Textilkaufhaus in Bocholt zu Setex. Konfektioniert und gestrickt wird in drei Werken in Polen. Fast 1.000 Beschäftigte arbeiten in der Setex-Familie. Am Stammsitz in Dingden laufen alle Fäden zusammen. Für die in den letzten Jahren übernommenen Betriebe war es oft Rettung in letzter Minute. Schröer: „Sie haben es verpasst, sich neu zu orientieren. So konnten sie auf dem Markt nicht mithalten. Es fehlte der Mumm, zu investieren und betriebswirtschaftlich zu denken.“

Den Sinn fürs Wirtschaftliche – den sieht man bei Setex. In der gut vier Fußballfelder großen Werkhalle laufen die Maschinen in Zettlerei, Weberei und Ausrüstung rund um die Uhr – 8.500 Stunden jährlich. Das garantiert eine hohe Produktivität.

Die Beschäftigten arbeiten im Fünf-Schicht-Betrieb. Wie Theodor Schmitz, Untermeister in der Weberei. „Pro Schicht bringe ich 400 Kreuzspulen an die Webmaschinen. Sonst laufen sie leer“, sagt der 58-Jährige. Teure Handarbeit gibt es nicht. Eine Passiermaschine etwa übernimmt das Einziehen Tausender Kettfäden. Damit wären sonst sechs Mitarbeiter beschäftigt.

Gerade hat Firmenchef Schröer die Mehrheit bei dem Textilausrüster Roessing in Rhede übernommen. „Jetzt ist aber erst mal Schluss. Schließlich müssen wir das alles verdienen.“ Ziel für 2014: 150 Millionen Euro Umsatz. Dafür laufen die Webmaschinen jetzt nonstop.


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