Bis der Motor glüht

Testen extrem: 950 Grad Hitze? Das müssen Antriebsteile wegstecken

Burscheid. Ralf Gelhausen meistert Situationen, die für jeden Autofahrer ein Albtraum wären. Er nimmt an seinem Rechner Platz, eine dicke Glasscheibe trennt ihn von einem dunklen Raum. Per Mausklick erweckt der Ingenieur jetzt die Apparatur da drinnen zum Leben, die mit ihren Kabeln und Schläuchen an eine Intensivstation erinnert. „Gleich wird es da richtig heiß“, sagt Gelhausen.

Der Mann hat seinem Computer gerade den Befehl gegeben, einen Motor zu quälen. 950 Grad heiß wird der Abgaskrümmer in dem Test – im Echtbetrieb bliebe von dem Auto nicht viel übrig.

Burscheid im Rheinland, das europäische Prüfzentrum des amerikanischen Autozulieferers Federal-Mogul: Gelhausen sitzt an einem der 19 Motorprüfstände. Hier werden Teile getestet, die der Konzern (weltweit rund 44.500 Mitarbeiter in 34 Ländern) herstellt. Heute stehen Zündkerzen auf dem Programm.

3.000 Mal unter Höchstlast – bei sibirischer Kälte

Der Global Player liefert alles, was einen Motor ans Laufen bringt: ob Kolben oder Kolbenringe, Lagerschalen, Zylinderkopfdichtungen, Zylinderlaufbuchsen oder Ventilsitzringe.

Vieles davon wird in Burscheid gecheckt. Doch nur wer die Kombination der Schließanlage kennt und die passenden Schlüssel hat, erhält Einlass in die geheime Welt hinter dickem Beton. So schützt sich der Hersteller gegen Spionage.

Derweil gibt Gelhausens Rechner immer mehr Gas. Der Vier-Zylinder-Turbo-Benziner mit seinen 260 PS röhrt wie ein Rennwagen. Jetzt zeigt der Drehzahlmesser am Computer 6.600 Umdrehungen – volle Belastung. Der Abgaskrümmer glüht, er ist 950 Grad heiß!

Testen extrem, damit kein Autofahrer wegen eines Defekts am Antrieb liegen bleibt. „Wir erproben Teile in Motoren aller namhaften Hersteller aus Europa“, erkärt Arnim Robota, der Chef des Prüfzentrums. Einige Autohersteller lassen sogar Triebwerke bei Federal-Mogul testen, die gar nicht mit den Produkten der Amerikaner ausgestattet sind. Bis zu gut 1.000 PS starke Motoren kommen hier zu Testzwecken auf Touren. In einer Box brüllt ein Lkw-Diesel. Beim Öffnen der Tür müsste man sich die Ohren zuhalten: Tinnitusgefahr! Jahr für Jahr werden in Burscheid zwischen 20 und 30 Motoren auf Herz und Nieren gecheckt.

Die 23 Spezialisten unterwerfen Triebwerke auch schon mal Thermoschocks: Die werden dann zum Beispiel so aufgeheizt, dass das Kühlmittel über 100 Grad Celsius heiß wird – und danach binnen weniger Minuten auf bis zu minus 30 Grad abgekühlt. Das erzeugt Spannungen zwischen Zylinderkopf und Motorblock. „Und das muss eine Zylinderkopfdichtung aushalten“, betont Robota.

Mittlerweile ist Gelhausens Prüfkandidat etwas abgekühlt. Der Drehzahlmesser zeigt nur noch 1.200 Umdrehungen. 500 Stunden wird die Erprobung insgesamt dauern; immer wieder rauf und runter mit der Drehzahl. Alles in allem ist der Benziner dann 75.000 Kilometer gelaufen.


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