Klima in der Kiste

Temperiertechnik: Familienunternehmen Memmert fertigt Klimaschränke für den Weltmarkt

Schwabach. Wäre es nicht schön, wenn man mit einem Fingerschnipp von Regen auf Sonnenschein wechseln könnte? Für die Welt als solche bleibt dies wohl ein frommer Wunsch. Im Labor dagegen lässt sich das Klima zumindest jederzeit per Knopfdruck umstellen, wie der Temperier- und Klimaschrank-Spezialist Memmert beweist.

Das Unternehmen ist seit mehr als 80 Jahren im fränkischen Schwabach zu Hause. In der Produktionsstätte im nahen Büchenbach entstehen Brut-, Trocken- und Wärmeschränke, Sterilisatoren, Klimaschränke sowie Wasser- und Ölbäder. Die Besonderheit: Alles ist „made in Germany“, die Fertigungstiefe liegt bei mehr als 90 Prozent. Egal, ob Bleche gestanzt oder Platinen bestückt werden – alles machen Fachleute im Werk.

Die hochpräzisen Klimaschränke simulieren Temperaturen von minus 42 bis plus 190 Grad Celsius. Weitere Modelle steuern zusätzlich Luftfeuchtigkeit bei. Doch wofür?

Will etwa ein Autoreifenhersteller eine neue Materialverbindung testen, könnte er nacheinander in die afrikanische Wüste, in asiatische Tropen oder in die Antarktis fahren. Oder – er legt seine Probe in den Klimaschrank.

Dieser bildet realistische Bedingungen und Extreme nach. In 20 Minuten heizt der Schrank von Minusgraden auf Höchsttemperatur. Circa eineinhalb Stunden dauert es, bis die Temperatur von ganz heiß auf eiskalt sinkt. „Das schlägt jede natürliche Wetterbedingung. Tests lassen sich so beliebig oft unter gleichen Bedingungen durchführen“, sagt Kälteanlagenbauermeister Nils Mecklenburg.

Entsprechend verlassen sich viele Branchen auf diese Technik. Mikrobiologen nutzen Brutschränke, um Bakterienkulturen zu züchten. Lebensmittelchemiker verwenden Temperierschränke für Nahrungsmitteltests. Die Elektroindustrie prüft, wie sich empfindliche Bauteile bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit oder extremen Schwankungen verhalten.

Vor der Auslieferung checkt Memmert jedes Gerät. Es läuft mitunter wochenlang im Test, dann wird es verschickt. Über 80 Prozent der Anwender sitzen außerhalb Deutschlands. „Unser Vorteil ist, dass wir komplett aus Edelstahl fertigen“, sagt Mecklenburg. „Dadurch überdauern die Schränke zum Beispiel die schwüle Wärme tropischer Regionen besser als Produkte aus beschichtetem Stahl von Mitbewerbern.“ Also in doppelter Hinsicht ein Schrank für jedes Klima!


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