Hält die Alpenpässe frei

Technik von Bosch Rexroth treibt riesige Schneefräsen an

Lohr am Main. Das ist Schippen im Akkord: Bis zu 8.500 Tonnen Schnee pro Stunde schaufeln die neuen Schneeräum-Schienenfahrzeuge der Rhätischen Bahn in den Schweizer Alpen weg. Antriebe von Bosch Rexroth mit Sitz in Lohr am Main verleihen den Fräsen diese Monsterkräfte.

„Die Bestie“, diesen Spitznamen trägt das größte Räumgerät der Flotte zu Recht. Das 30 Tonnen schwere, gelb-rote Ungetüm hält die Bahnstrecke über den 2.328 Meter hohen Bernina-Pass selbst im tiefsten Winter frei. Die Fräse schneidet eine drei bis sechs Meter breite Schneise in den Schnee und schleudert ihn mit Wucht fast 40 Meter weit zur Seite.

Der Hersteller Zaugg im Emmental, der in Bayern schon Schneeräumgerät für die Zugspitzbahn geliefert hat, greift auf Technik von Bosch Rexroth zurück. Zwei Dieselmotoren mit je 440 Kilowatt Leistung verpassen der Fräswalze den nötigen Schmackes. So kriegt sie selbst meterdicke Schneeverwehungen klein.

Auf beiden Seiten rotieren zwei übereinander angebrachte Walzen. Bewaffnet mit Sägezähnen an den Kanten, raspeln sie den Schnee ab und pusten ihn dann über ein Schleuderrad weg.

Und noch mehr Technik von Bosch Rexroth hilft dem Räumgerät der Bahn: „Vom Filter- und Steuerblock über die Axialkolben bis zum Kühlsystem des Ölkreislaufs liefern wir alles aus einer Hand“, so Urs Storchenegger, der Leiter für mobile Anwendungen von Bosch Rexroth in der Schweiz.

Verstellpumpe und Motor versorgen unter anderem die Bewegung der Walzen, den Hydraulik-Zylinder sowie den Drehstempel. Damit kann die Fräse ratzfatz wenden und braucht dafür kaum Platz.

Ist der Kraftprotz im Einsatz, stieben die Flocken: Im ersten Durchgang wird eine schmale Schneise über den Gleisen freigeräumt. Im zweiten Arbeitsschritt fährt das Gerät seine Fräsköpfe links und rechts weiter aus, verbreitert so die Schneise und macht damit Platz für die nachfolgenden Züge. Volle Power in Eis und Schnee: Selbst bei extremer Kälte muss die Fräse schnell einsatzbereit sein, das war keine leichte Aufgabe für die Konstrukteure.

Doch zum Glück herrschen nicht überall im Streckennetz so harsche Bedingungen. Zwei kleinere Fräsen mit einer geringeren Räumkapazität von 3.500 Tonnen pro Stunde hat die Rhätische Bahn für ihre übrigen Verbindungen im Kanton Graubünden angeschafft. Sie verkehren unter anderem auf den Linien in die Bergorte Arosa und Disentis.

Auch die „kleinen Brüder der Bestie“ fressen sich mit Antrieben und Hydraulik aus Bayern dort brav durch den Schnee.


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