Energie

Technik für den Offshore-Strom


70 Kilometer Kabel verlegen? Für Nexans ist das ganz normal

Hannover. Übersteigen beim höchsten Stand der Welle: Der Transfer vom schwankenden Schiff auf die schmale Leiter an einer Windkraft-Anlage will trainiert sein. Auch für die Monteure von Nexans.

Die Firma, führender Hersteller der Kabel-Industrie, weiß auch mit spektakulären Aufträgen umzugehen. So haben Mitarbeiter des Standorts Hannover beispielsweise am „Horns Rev“ („Teufelsriff“), einer kilometerlangen Sandbank vor der Nordseeküste Dänemarks, 70 Kilometer Mittelspannungsseekabel für einen der größten Offshore-Windparks der Welt geliefert und montiert.

„An Herausforderungen mangelt es bei der Verkabelung auf hoher See wahrlich nicht“, sagt Holger Fastabend, Geschäftsbereichsleiter der Nexans Deutschland GmbH. „Vor allem die rauen Witterungsbedingungen können auch sorgsamste Planungen durcheinanderbringen.“ Nicht selten wird der Job auf dem Wasser zum Abenteuer.

Roboter am Meeresboden

Jede einzelne der 91 Windkraft-Anlagen am Horns Rev wiegt rund 400 Tonnen – damit sie auf festen Füßen steht und Wind und Wetter standhält, muss das Fundament tief in den Boden gerammt werden. Das Teufelsriff hat seinen Namen nicht von ungefähr:

Es ist ein Schiffsfriedhof aus der Zeit der Segelschifffahrt. Denn obwohl 30 Kilometer vor der Küste im Meer gelegen, ist die Nordsee hier nur 6 bis 18 Meter tief.

„Die große Herausforderung war nicht die Fertigung der Kabel“, sagt Fastabend. „Schwierig war, sie vor Ort an die Windkraftanlagen anzuschließen.“

Seit dem vergangenen Jahr übernimmt man auch das Verlegen der Kabel am Meeresboden. Ein Roboter steuert in der Tiefe einen Spülschlitten – der Sand, Steine und Erdreich freispült. So entsteht ein tiefer Graben, in den das Kabel versenkt wird. Anschließend wird der Graben von der Strömung wieder überspült und geschlossen.

Nexans, ein französischer Konzern, beschäftigt weltweit 23.700 Mitarbeiter und gibt als Marktführer die Trends im Kabel-Geschäft vor. Der Nordsee-Strom ist nur eine Anwendung von vielen. Im Auto sind bis zu 10 Kilometer, im Kreuzfahrtschiff gar bis zu 2.500 Kilometer Kabel verbaut. Der Nexans-Standort Hannover zählt 460 Beschäftigte, darunter 30 Monteure.

Energie für 400.000 Haushalte

„Wir werden verstärkt Lösungen aus einer Hand realisieren“, beschreibt Geschäftsbereichsleiter Fastabend die Zukunft des Standorts Hannover. Etwa dass ein Kabel von bis zu 25 Kilometer Länge, aufgerollt auf 28 Waggons, zu seinem Bestimmungsort zu bringen ist.

Und Einsätze wie am „Teufelsriff“ warten häufiger: Der Windpark Anholt in der Ostsee hört sich mit elf Windkraft-Anlagen weniger spektakulär an, ist aber technisch wohl noch anspruchsvoller. Er soll 400.000 Haushalte versorgen – doppelt so viele wie der Windpark am Teufelsriff.

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