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Teamgeist und Erfahrung als Wettbewerbsvorteil


18 Mitarbeiter, Produkte wie vor 80 Jahren – aber Kunden in 70 Ländern: Die Firma Deutsch & Neumann

Berlin. Thomas Süßmuth ist Hertha-Fan, solange er denken kann. Die Heimspiele verfolgt er im Stadion, „das ist Ehrensache“, sagt er – und kommt schnell auf die Defizite im Abstiegskampf der Berliner zu sprechen: „Es fehlt an Teamgeist und Erfahrung.“ Und: „Es war ein Fehler, die alten, erfahrenen Spieler zu verkaufen.“

In seiner Firma, der Deutsch & Neumann (D&N) GmbH, gehören Teamgeist und Erfahrung zum Erfolgsrezept. Thomas Süßmuth feierte dort kürzlich sein 25-jähriges Dienstjubiläum. „Ich habe immer an der Formpresse gearbeitet“, erzählt er.

Von seinem Chef bekommt er ein dickes Kompliment. „Dieses Know-how ist unglaublich wertvoll“, betont Geschäftsführer Bernd Noack. Er hält nichts vom Jugendwahn in der Arbeitswelt: „Das ist wie im Fußball: Wer Erfolg haben will, der muss auf ein homogenes Team setzen.“

„Wir mussten keine Kurzarbeit anmelden“

Geschäftsführer Noack, ein studierter Sportlehrer, setzt auf Tugenden aus dem Mannschaftssport. Er sieht sich als Coach. Seinen 18 Mitarbeitern überträgt er so viel Eigenverantwortung wie möglich. „Selbstständiges Arbeiten gehört bei uns zum Alltag. Jeder muss sich selbst mit einem Problem auseinandersetzen und nach der Lösung suchen“, sagt er. Erfahrung ist hierbei unbezahlbar.

D&N gehört zu den wenigen Firmen, die die Krise einigermaßen unbeschadet überstanden haben. „Der Umsatzrückgang hielt sich in Grenzen. Wir mussten keine Kurzarbeit anmelden“, berichtet Noack.

Das kleine Unternehmen hat sich zum Spezialisten für Laborgeräte aus Gummi entwickelt. Beispiel: der Pipettierball. Zu ihm greifen Laboranten, wenn eine Flüssigkeit von einem Gefäß in ein anderes muss – erst recht, wenn es dabei auf die Dosierung ankommt. Der runde, mit Luft gefüllte Kautschukball saugt an und gibt auf kurzen Fingerdruck die gewünschte Menge Flüssigkeit frei. Eine kleine Glaskugel übernimmt die Ventilfunktion.

Kein Hightech, keine Neuheit: Schon in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist diese praktische Laborhilfe an der Technischen Universität Berlin entstanden. Noch immer ist sie aus den Laboren nicht wegzudenken.

Vertrieb über das Internet

Nicht nur Pipettierbälle haben D&N bekannt gemacht. Stopfen, Schläuche oder Aufsätze – was in der Alltagsarbeit in einem Labor unersetzlich ist, kommt von D&N.

D&N ist das, was man ei-nen Globalisierungsgewinner nennt: „Wir verkaufen in 70 Länder der Welt“, berichtet Geschäftsführer Noack. Das Internet hat sich für die Berliner zu einem wichtigen Vertriebsweg entwickelt.

Qualität und Schnelligkeit wissen die Händler zu schätzen. Und dafür stehen erfahrene Mitarbeiter wie beispielsweise Thomas Süßmuth. „Auch wenn Hertha absteigt“, sagt er. „Mit unserer Firma bleiben wir erstklassig.“

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