Arbeitswelt

Teamgeist klappt auch in der Krise


Gebrüder Horst Gummiwarenfabrik: Alle Mitarbeiter ziehen an einem Strang

Gelnhausen. Es ist schon nach 17 Uhr. Eigentlich haben die Mitarbeiter der Gebrüder Horst Gummiwarenfabrik GmbH & Co. KG längst Feierabend. Doch Hassan Kaya arbeitet länger. Kabeltüllen werden dringend benötigt. Der Kunde aus der Auto-Industrie wartet auf die Teile. „Das ist ganz normal und für uns selbstverständlich“, sagt Prokurist Peter Gimbel.

Seit 36 Jahren ist Gimbel im Unternehmen beschäftigt, seit 20 Jahren arbeitet Kaya in der Fertigung. Langjährige Erfahrung ist für die Mitarbeiter der Gelnhausener Horst Gummiwarenfabrik ein wichtiges Pfund.

Daraus entstanden ist eine eigene Betriebsphilosophie. Gimbel sagt zum Beispiel: „Ein pünktlicher Feierabend ist schön, doch wenn es der Kunde verlangt, dann wird natürlich länger gearbeitet.“

Für den Betrieb mit seinen 60 Mitarbeitern ist Flexibilität zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Für Georg Kaffl, Assistent der Geschäftsführung, war dies ein entscheidender Vorteil. „Der Teamgeist ist es, der uns in der Krise half und auch jetzt im Aufschwung besonders hilft“, versichert er. „Alle ziehen mit. Es gibt keinen Unterschied zwischen ausländischen und deutschen Mitarbeitern.“ Mit ausländischen Mitarbeitern hat das Unternehmen beste Erfahrungen gemacht.

Vom Radiergummi zum Auto-Partner

Seit über 80 Jahren fertigt die Horst GmbH technische Gummiartikel. Erst waren es Radiergummis. Heute sind  die Auto- und die Zuliefer-Industrie Hauptkunden. Auch die Elektro- und Sanitär-Industrie oder der Technische Fachhandel bestellen.

Und dabei ist Horst nicht nur Zulieferer vom Zulieferer, sondern auch direkter Partner zum Beispiel der Auto-Hersteller. Tüllen, Puffer, Schläuche – viele kleine, aber oftmals unentbehrliche Teile.

Eine Krise wie 2009 hatte der Familienbetrieb noch nicht erlebt. „Wir bekamen sie vom ersten Tag an voll zu spüren. Die Auftragseingänge gingen dramatisch in den Keller“, sagt Kaffl. Auswege waren gefragt: Alle zogen an einem Strang.

Der 90-Tage-Blick in die Zukunft

Auch Kurzarbeit half. Kaffl: „Verwaltung, Produktion und Geschäftsführung – wir haben alle gleichmäßig auf Einkommen verzichtet.“

Inzwischen ist die Lage viel besser geworden. Doch der Aufschwung steht, wie in vielen Kautschuk-Betrieben, noch auf wackeligen Beinen. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Kaffl. „War früher eine Auslastung von einem halben Jahr und mehr normal, so lässt sich jetzt lediglich auf 90 Tage in die Zukunft schauen.“

Es gab wichtige Investitionen in Bausubstanz und Produktion. Um über 40 Prozent ging der Energieverbrauch zurück. Rund 1 Million Euro verschlangen die Maßnahmen.

Nun blicken Peter Gimbel und Georg Kaffl nach vorn: „Unsere Kunden wissen Flexibilität und gute Qualität zu schätzen.“

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang