Höhere Flexibilität durch Altersteilzeit

Tarifvertrag FlexÜ bringt Beschäftigten und Unternehmen mehr Spielraum

Nachtarbeit: Wer jahrelang im Schichtbetrieb tätig ist, kann vielleicht nicht bis zum Rentenalter im Job bleiben. Foto: Blossey

Berlin. Seit diesem Jahr steigt das Renteneintrittsalter in Schritten bis 2029 auf 67. Aber Beschäftigte, die jahrelang im Drei-Schicht-Betrieb oder an einem lauten und sehr heißen Arbeitsplatz tätig sind, müssen vielleicht schon etwas früher aufhören. Deshalb ist in der Metall- und Elektro-Industrie nach wie vor Altersteilzeit ab 57 möglich.

„An erster Stelle steht Flexibilität“

„Dieses Instrument der Personalpolitik ist auch für die Zukunft nicht wegzudenken“, sagt Karsten Tacke, Geschäftsführer für Tarif- und Sozialpolitik des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. „Es nimmt sowohl auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer als auch auf die der Betriebe Rücksicht.“

Grundlage ist der seit Anfang 2010 gültige Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente (TV FlexÜ). Er wurde für die Metaller abgeschlossen, da die Bundesagentur für Arbeit die allgemeine Förderung der Altersteilzeit Ende 2009 eingestellt hat.

Eine generelle Kritik an der Altersteilzeit lautet: Den Unternehmen gehe zu früh wichtiges Wissen der älteren und erfahrenen Kollegen verloren. Dem widerspricht aber Tacke und erläutert die aktuelle Regelung: „An erster Stelle steht Flexibilität, die sich am Bedarf jedes einzelnen Unternehmens orientiert.“

So können Firmen, die wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland einen Fachkräftemangel befürchten, Altersteilzeit für sich ausschließen oder anpassen.

Im Tarifvertrag FlexÜ ist das sogenannte Blockmodell geregelt. Danach arbeiten die Beschäftigten in der ersten Hälfte der Altersteilzeit voll weiter, in der anderen Hälfte gar nicht mehr. Das kann nicht nur für körperlich besonders anstrengende Jobs sinnvoll sein. „Sondern auch, wenn der Strukturwandel einen Personalabbau notwendig macht“, erklärt Tacke. „Für sozialverträgliche Lösungen ist Altersteilzeit dann ein gutes Mittel.“

Der Gesamtmetall-Geschäftsführer betont aber, dass das Instrument nicht einfach so genutzt werden kann. Voraussetzung ist neben dem Mindestalter von 57, dass der Mitarbeiter mindestens seit zwölf Jahren im Betrieb ist.

87 Prozent des bisherigen Nettolohns

Beschäftigte, die nicht im Schichtdienst arbeiten und im Job auch nicht „besonders starken Umwelteinflüssen“ ausgesetzt sind, müssen sogar 61 Jahre alt sein. Und wegen der Rente mit 67 steigt diese Grenze in Schritten auf 63.

Die finanzielle Seite: Altersteilzeitler erhalten nach Tackes Angabe im Durchschnitt 87 Prozent des bisherigen Nettolohns – obwohl sie nur 50 Prozent arbeiten. Die Extra-Kosten teilen sich Arbeitgeber und die Beschäftigten.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang