Dann läuft nichts mehr rund

Tarifrunde 2018: Was M+E-Unternehmen von den Vorstellungen der Gewerkschaft halten

Häufig entscheidet der Kunde, wann was produziert wird. Bei Zulieferern der Auto-Industrie etwa. Sie sorgen sich um ihre Flexibilität, weil die Gewerkschaft einen Anspruch auf Verkürzung der Arbeitszeit fordert. Einige Beispiele.

Produktion beim Auto-Zulieferer: Die Mitarbeiter von G+F Strate in Laatzen fertigen viele Spezialteile. Foto: Gossmann

Produktion beim Auto-Zulieferer: Die Mitarbeiter von G+F Strate in Laatzen fertigen viele Spezialteile. Foto: Gossmann

Hannover. Aufregung in Niedersachsens Metall- und Elektro-Unternehmen über die Tarifforderungen der IG Metall: Die Betriebe, besonders die aus der Zulieferbranche, fürchten steigende Kosten und sorgen sich um ihre Flexibilität beim Bearbeiten von Aufträgen. Wie diese Beispiele zeigen.

Geschäftsführer Franz Friedrich Butz vom Guss-Spezialisten KSM Castings in Hildesheim schüttelt nur den Kopf: über die Forderung nach 6 Prozent mehr Lohn und einen individuellen Anspruch auf Verkürzung der Arbeitszeit – zum Teil inklusive Lohnausgleich. „Das können wir uns als Zulieferer schlicht nicht leisten“, sagt Butz. „Das lässt sich mit den Anforderungen eines Drei- oder Vier-Schicht-Betriebs nicht vereinbaren.“

Das Unternehmen KSM produziert Getriebegehäuse aus Magnesium für die Auto-Industrie. Da entscheidet der Kunde, wann was produziert werden muss. „Die anfallende Arbeit muss geleistet werden können – und sie darf dabei nicht noch teurer werden“, macht Butz klar.

Auch Arndt Brinkmann, Geschäftsführer bei G+F Strate in Laatzen, kann es kaum fassen: „Was die IG Metall will, geht deutlich zu weit.“ Weil es diesmal nicht nur ums Geld, sondern auch um die Arbeitszeit gehe. Das traditionsreiche Unternehmen liefert Einzelteile und individuelle Komponenten für die Auto-, Kunststoff- und Nahrungsmittel-Industrie. Die 75 Mitarbeiter sind Spezialisten für Drehen, Fräsen und Bohren großformatiger Teile.

Etwa 30 Prozent Neuanfertigungen, 70 Prozent Reparaturen – Maschinenbau von der Stange gibt es bei G+F Strate nicht. „Unser Wissen und unsere Flexibilität sind beim Kunden gefragt. Kein Tag ist wie der andere“, erklärt Brinkmann. Was für den Firmenchef gar nicht geht, ist, die Wochenarbeitszeit über individuelle Ansprüche weiter zu senken. „Mit 28 Stunden kämen wir niemals hin.“

Um Kunden in aller Welt beliefern zu können, müssen die Firmen beweglich bleiben, argumentiert der Arbeitgeberverband. Die Aufträge werden dann erledigt, wenn es nötig sei. Schon jetzt sorgen die Betriebe mit unzähligen Arbeitszeitmodellen dafür, dass ihre Beschäftigten trotzdem gut leben können.

Wie etwa das Technologieunternehmen Continental. Es bietet nicht nur in seinen Werken in Niedersachsen, sondern weltweit Teil- und Gleitzeit, mobiles Arbeiten und Homeoffice an. 95 Prozent aller Beschäftigten profitieren davon, auch Schicht-Arbeiter in der Produktion. Personalvorstand Ariane Reinhart: „Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt sorgt für eine neue Dynamik, die in keine Schablone passt.“


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