Bildung

Studieren ist gar nicht so schwer


Wie die Wirtschaft hilft, damit mehr Kinder aus Arbeiter-Haushalten an die Universitäten kommen

Ein Semester in England, eine Sommer-Uni in Südkorea – Giovanni Schulze ist viel herumgekommen. Möglich machte es die „Stiftung der deutschen Wirtschaft“, die 1994 auf Initiative des Arbeitgeber-Dachverbands BDA gegründet wurde. Sie zahlt Schulze monatlich 525 Euro für die Lebenshaltung, dazu Bü­chergeld und einen Zuschuss für das Auslandssemester. Der Sohn einer alleinerziehenden Bürokauffrau muss so für sein Wirtschaftsstudium in Osna­brück nicht mehr so viel wie früher nebenbei jobben.

Studieren ist lang und teuer. Junge Leute, deren Vater und Mutter nicht an der Universität waren, schreckt das ab. 83 von 100 Akademiker-Kindern werden selbst Akademiker, zeigt die Sozial-Erhebung des Deutschen Studentenwerks, aber nur 23 Kinder mit Eltern ohne Hochschulabschluss.

Immerhin: 20.765 Studenten erhielten letztes Jahr Geld aus einem Stipendium der elf Be­gabten-Förderwerke, bilanziert das Bundesbildungsministerium. Das sind 55 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Der Staat butterte 113,2 Millionen Euro dazu, ein Plus von 41 Prozent.

Geld und Kontakte

Insgesamt sind dem „Bun­desverband deutscher Stiftungen“ 1.750 Einrichtungen be­kannt, die den wissenschaftlichen Nachwuchs auf die eine oder andere Weise unterstützen. Nicht selten fehlt es, wenn das Abitur geschafft ist, am Wil­len. Eine Lehre ist schließlich etwas Handfestes, ma­chen viele Eltern geltend, und man verdient sofort eigenes Geld.

Katja Ur­batsch weiß aus Erfahrung, wie peinlich es ist, ständig der Verwandtschaft erklären zu müssen, was man noch „an der Schule“ macht. Die Amerikanistik-Studentin aus Gießen gründete das Internetportal „Arbeiterkind.de“ – als An­laufstelle für alle, denen es ähnlich geht. „Arbeiterkinder können zu Hause niemanden fragen“, sagt Urbatsch. „Sie brauchen mehr Infos rund ums Studium, auch was die Finanzen angeht, sie beantragen zu wenig Bafög und bewerben sich zu selten um Stipendien.“

Geld ist nicht alles: Facharbeiter, Krankenschwestern und Handwerker können ihren studierenden Kindern meist auch nicht die nötigen Be­ziehungen mit auf den Weg geben. Daher sind die Netzwerke der Stiftungen viel wert. Der Student Giovanni Schulze trifft sich regelmäßig mit anderen Stipendiaten seiner Region, be­sucht Seminare und Sommer-Akademien, knüpft Kontakte zu Betrieben.

Engagement zahlt sich aus

„Wir fördern mehr als 1.300 Studierende und Doktoranden“, sagt Stiftungssprecher Christian Lange. Wichtig seien Engagement und Zielstrebigkeit. Zielstrebig sei auch, wer sich den Bildungsweg „freiboxt“. Als Engagement zählt vieles: Mitarbeit in der Kirchengemeinde, der Freiwilligen Feuerwehr oder im Sportverein.

Meist bewerben sich Studenten um ein Stipendium, die mindestens ein Semester hinter sich gebracht haben – also die ersten Hürden bereits genommen haben. Deshalb setzen die Förderwerke neuerdings früher an. Manuela Akin aus Hamburg gehört zu den ersten 175 Teilnehmern des „Studienkom­pass“. Das Gemeinschaftsprojekt der Stiftung der deutschen Wirtschaft, der Accenture-Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung will Schüler aus Familien ohne akademische Bildung für ein Studium begeistern.

Hilfe zur Selbsthilfe

In Gruppen suchen sie unter der Führung eines ehrenamtlichen „Lotsen“ In­formationen über Berufe und Studiengänge zusammen und machen Ausflüge an Hochschulen.

Akin, Tochter eines Lagerarbeiters und einer Näherin, plant jetzt den Gang an die Uni. Die Eltern konnten ihr zwar schon auf dem Gymnasium nicht helfen, aber das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein: „Ich habe schnell gelernt, selbstständig zu lernen“, sagt sie, „und mich um meine Angelegenheiten zu kümmern.“ 

Stipendien: Hier gibt’s Unterstützung

Die wichtigsten Anlaufstellen

Es gibt in Deutschland elf große Begabten-Förderwerke, die ihr Fördergeld zu einem großen Teil aus Bun­desmitteln erhalten: die „Stiftung der deutschen Wirtschaft“ (www.sdw.org), die „Stu­dien­stiftung des deutschen Volkes“ (www.studienstiftung.de) zwei kirchliche Förderwerke sowie eine Reihe von partei- und gewerkschaftsnahen Stiftungen.

Außerdem vergeben unter  dem Dach des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft (www.stifterverband.de) 15 kleinere Unternehmensstiftungen Stipendien, vornehmlich in der Medizin und in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften. Die Bosch-, die Start- und die Vodafone-Stiftung unterstützen Schüler und Studierende mit ausländischer Ab­stammung.

Am besten informiert man sich so früh wie möglich über Fördermöglichkeiten. Viele nützliche Hinweise gibt es auf www.arbeiterkind.de

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Ausbildung

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang